Australien 1994 - Reisebericht
 
13.000 km Südküste - Zentrum - Ostküste

16.01.94
Seit über einem Jahr machen wir uns ernsthafte Gedanken über unseren Australien-Urlaub und jetzt ist es soweit. Das Flugzug setzt langsam zur Landung an, pünktlich um 17 Uhr haben wir den International Airport in Sydney erreicht. Fast genau 24 Stunden sind seit unserem Start in Bremen vergangen. Wir suchen uns ein Backpacker vom Flughafen aus. Irgendwie habe ich mich wohl vertan, anstatt in Bondi Beach, wie eigentlich geplant landen wir in Kings Cross. Kings Cross soll angeblich der Sündennabel Sydney`s sein, ist aber im Vergleich zu St. Pauli ziemlich harmlos. Unser Backpackers entspricht unterem Jugendherbergs-Standart. Am Abend gehen wir das erste mal in eine Australische Kneipe, wobei das Wort Trinkhalle hier fast wörtlich genommen werden konnte. Der große Saal" hat eine lange Theke, drei Billardtische, mehrere Fernseher und ein paar Tische am Fenster, alles in allem aber eine interessante Atmosphäre um ein Bier zu trinken. Als wir in unser Backpacker zurück kommen, denken wir zuerst, das wir das Licht im Zimmer angelassen hätten aber da die Fenster keine Vorhänge haben, erleuchtet die große Lampe draußen an der Wand unser Zimmer, die ganze Nacht.

17.01.94
Als ich gegen fünf Uhr morgens aufwache ist Olaf schon eine Stunde wach, an mehr Schlaf ist für uns wohl nicht mehr zu denken, wahrscheinlich macht sich der Jetlag doch etwas bemerkbar. Nach dem Frühstück fahren wir zur Spedition. Unsere Hoffnung die Motorräder gleich mitnehmen zu können erfüllt sich leider nicht. Erst am Mittwoch sollen sie aus dem Zoll kommen. Zu unserer Freude dürfen wir auch noch jeder 380 $ Kaigebühr zahlen, von der wir bislang noch nichts wussten. Da wir jetzt, mehr oder weniger freiwillig, viel Zeit für Sydney haben ist ausgiebig Sightseeing angesagt. Ich hätte nie gedacht, dass ich im Urlaub so viel laufen würde wie hier in Sydney. Als erstes sehen wir uns die Oper an, dann die Docks, Darling Habour und und und.

18.01.94
Heute wollen wir etwas Strandleben genießen. Wir fahren mit der Fähre vom Circular Quay aus nach Manly, das Return Ticket kostet 6,80 $. Der Ocean Beach in Manly ist recht schön, die Wellen sind gut und die Sonne scheint auch sehr schön, meine Nase ist jetzt ziemlich rot. Nach unserer Strandtour sehen wir uns noch den Botanischen Garten an und gehen zum Mrs. Macquarie`s Chair, von wo aus wir einen tollen Blick auf die Oper und die Habour Bridge haben.

20.01.94
Heute ist bereits Donnerstag und endlich sollen unsere Motorräder aus dem Zoll kommen, nachdem der Zoll gestern die Quarantäne nicht mehr gemacht hat. Langsam denke ich es wäre besser in irgendeiner Bananenrepublik zu sein, da könnte man die Beamten wenigstens bestechen aber scheinbar sind australische Beamte noch schlimmer als deutsche. Nach unendlichen Stunden Warterei in dem Office der Spedition kommen die Motorräder dann um 16 Uhr aus dem Zoll. Das große Problem ist, um 16.30 Uhr macht die Registration dicht. Nun ist Tempo angesagt, Öl auffüllen, Benzin einfüllen und die Batterie wieder anklemmen. Ich bin als erster fertig und freue mich, dass die DR nach dem dritten Tritt gleich anspringt. Leider komme ich fünf Minuten zu spät an, die Registration hat pünktlich Feierabend gemacht. Nun müssen wir noch eine Nacht länger in Sydney bleiben. Helga, unsere deutsche Sachbearbeiterin bei der Spedition, lädt uns zu sich nach Hause ein da wir unser Backpacker schon aufgegeben haben.

21.01.94    Sydney – Ulladulla, Fahrtstrecke: 236 km
Endlich sind wir unterwegs. Heute morgen waren wir gleich bei der Registration und haben uns eine Visitor Overseas Permit Registration besorgt, nun haben wir eine australische Haftpflichtversicherung und brauchen keine Schwierigkeiten bei evtl. Unfällen befürchten. Wie fahren auf dem Princes Highway in Richtung Melbourne. Vor Wollongong sind wir auf die Road 60 abgebogen. An einem Lookout am Mount Keira hat man einen tollen Blick auf die Küste und Wollongong. An meiner DR ist merkwürdig viel Öl am Motor, ich schiebe es darauf zurück das ich beim Öl auffüllen etwas stark gekleckert habe. Die BMW von  Olaf wollte schon die ganze Zeit nur mit Kickstarter anspringen, aber jetzt klappte auch das nicht mehr, also ist anschieben angesagt. Nach dreißig Kilometern muss ich wieder anhalten, das Öl läuft mir jetzt schon über die Stiefel. Wir stellen fest, dass der O-Ring vom Luftfilterdeckel gerissen ist. An der Stelle, an der wir gerade stehen, können wir aber nichts reparieren, ich wische noch einmal alles sauber, und wir fahren ein paar Kilometer weiter, wo wir den Highway dann verlassen. Wie es der Zufall so will, ist genau an der Ausfahrt ein Suzuki Händler. Den passenden O-Ring hat er nicht, er bastelt aus einem gleichdicken aber größeren einen neuen. Ich meine noch, ob das gut sei, worauf er nur erwidert „No worrys". Aber es funktioniert, Geld will er für seine Arbeit nicht, er meint es sei keine gewesen. Es ist schon toll wie hilfsbereit und freundlich die Leute hier sind. Nachdem Olaf wieder von mir angeschoben wurde, geht`s weiter auf dem Princes Highway. Es hat sich jetzt ziemlich abgekühlt und bald fängt es auch zu regnen an. Das hatten wir uns  irgendwie anders vorgestellt, jedenfalls nicht so, das wir an unserem ersten Tag mit den Motorrädern gleich im Regen fahren. Also ziehen wir unsere Jacken an und kurze Zeit später auch die Regenhose. Der Regen wird immer stärker, nach insgesamt 236 km an diesem Tag haben wir keine Lust mehr noch weiter zu fahren, in Ulladulla suchen wir uns einen Campingplatz. Nun kommt die Premiere mit unserem Leihzelt, wir hatten es noch nie zuvor aufgebaut. Eine Anleitung ist leider auch nicht dabei, und so legen wir unser ganzes Ungeschick ins Aufbauen. Zwei Mädchen, die uns dabei beobachten, wie wir ziemlich ratlos vor unserem Zelt stehen, fragen, „ob das wohl ein Zelt werden soll“. Und es kommt, wie es kommen musste, eine der drei Zeltstangen bricht durch, wir pfuschen das Zelt so hin, das wir wenigstens darin schlafen können. Der Vater der beiden Mädchen bietet uns sogar an, in seinem Hauszelt zu übernachten, was wir aber nicht in Anspruch nehmen brauchen. Wir holen uns in der Stadt etwas zu essen und ein paar Bier. Olaf stellt fest, dass seine Tüte mit der Dreckwäsche weg ist, wahrscheinlich hat er sie mit seinen Präsenten nach Deutschland geschickt.

22.01.94    Ulladulla - Narooma, Fahrtstrecke: 136 km, gesamt 372 km
Am nächsten Morgen steht Olaf schon um sieben Uhr auf, um dem Problem mit seinen Startschwierigkeiten auf den Grund zu gehen. Er will den Regler überprüfen, aber es funktioniert nicht, weil die Kabelbezeichnungen am Motorrad nicht mit denen in der Reparaturanleitung übereinstimmen. Gegen zehn Uhr fahren wir los, die Sonne scheint zwar wieder, aber der Fahrtwind ist kühl, so das wir mit unseren Jacken fahren. Hinter Narooma wollen wir den Princes Highway verlassen und direkt an der Küste weiterfahren, beim Abbiegen geht Olaf's BMW aus. Die Batteriespannung ist fast auf null gesunken und das Motorrad lässt sich auch nicht mehr anschieben. Wir beschließen nach Narooma zurück zufahren, bzw. zurück zu rollen was Olaf betrifft. Zum Glück geht`s Richtung Narooma bergab. Olaf rollt schon voraus und zwischendurch springt der Motor wieder an, am Eingang zum Caravan Park treffen wir uns wieder. Der Campingplatz liegt nur 200 m vom Strand weg und kostet 12$ für uns beide zusammen. Nachdem wir unser Zelt ohne weitere Schäden aufgebaut haben, fahren wir in den Ort zur Garage um dort Olaf's Batterie aufladen zu lassen. Der Chef der Garage meint, das sein Mechaniker die BMW reparieren kann, wir müssen aber bis Montag warten. Also bleiben wir das Wochenende über in Narooma. Ich gehe für eine Zeit an den Strand, meine leicht verbrannte Nase bekommt die Sonne allerdings nicht zu sehen, ich verstecke sie lieber unter meinem T-Shirt. Am Abend sprechen uns einige Leute wegen unserer deutschen Kennzeichen an, bereitwillig erklären wir ihnen die Verschiffung, ab jetzt kommt diese Geschichte noch unzählige Male vor.

24.01.94    Narooma, Fahrtstrecke: 50 km, gesamt 423 km
Nachdem gestern nur Faulenzen dran war, können wir heute Olaf's Motorrad zur Garage bringen. Um 14.00 Uhr sollen wir noch einmal wiederkommen. Alan der Mechaniker fährt auch BMW, eine R80 G/S Paris Dakar. Alan musste etwas länger den Fehler suchen, die Lichtmaschine oder Regler sind nicht defekt. Olaf hatte nur vergessen eines von drei Kabeln an die Batterie anzuschließen, Herzlichen Glückwunsch. Auf dem Campingplatz waschen wir das erste Mal Wäsche, was mit Waschmaschine und Trockner kein Problem ist.

25.01.94    Narooma - Omeo, Fahrtstrecke: 660 km, gesamt 1.083 km
Nachdem sich gestern das Problem mit Olaf's BMW als gering herausgestellt hat, sind wir wieder unterwegs. Wir sind heute schon um zwanzig nach sieben losgefahren. Erst geht es ein kurzes Stück weiter auf dem Princes Highway, vor Bega fahren wir dann auf den Snowy Mountains Highway in Richtung Cooma. Von Cooma geht es weiter nach Jindabyne. Dort angekommen tanken wir erst einmal und frühstücken. Hier in Jindabyne sind wir schon im australischen Wintersportgebiet, was man sich im Sommer allerdings nicht so richtig vorstellen kann. Nach dem Frühstück fahren wir über Perisher in den Mt. Kosciusko National Park, der Eintritt für uns und die Motorräder beträgt 3,50$. Der Weg über Perischer erweist sich aber als langweilig. Die Straße führt die meiste Zeit über eine Art Hochplateau und endet als Sackgasse. Von hier aus gehen mehrere Wanderwege, unter anderem zum Gipfel des Mt. Kosciusko mit 2229 m Australiens höchster Berg. Wir entschließen uns nach Jindabyne zurück zu fahren, um von dort die andere Strecke durch den Mt. Kosciusko National Park nach Corryong zu fahren. Die Strecke ist sehr schön, nach etwa 40 km härt der Teer auf und die ersten 20 km Gravel Road liegen vor uns. Die Gravel Road ist in gutem Zustand, nur in den Kurven ist teilweise starkes Wellblech. Etwas später auf Teer folgen wir einem Schild zum Olsen Lookout. Die 10 km dorthin sind auch eine Schotterpiste, von denen die letzten 2 km schon starke Auswaschungen aufweisen. Am Olsen Lookout versperrt allerdings das hohe Buschwerk die Sicht, aber das was man sehen kann ist auch sehenswert. Es geht dann den gleichen Weg wieder zurück zur Teerstraße. Von nun an geht es immer leicht bergab und die Strecke ist herrlich kurvig. Es macht total viel Spaß durch die Kurven zu schwingen, rechts und links wird die Straße teilweise durch die Felsen abgegrenzt. In Khancoban ist wieder ein Tankstop fällig und wir gönnen uns auch etwas zu essen. Das Steaksandwich ist wieder wahnsinnig, man weiß gar nicht wie man reinbeißen soll, und das für 3$. Es ist jetzt schon recht warm geworden, ca. 36C° im Schatten. Bis Omeo wollen wir heute noch fahren. Kurz hinter Nariel dann wieder Piste, diesmal sind es 61 km die kurvig durch den Wald gehen. Die Strecke ist als „verry narrow“ in der Karte eingezeichnet. Olaf überfährt fast eine Schlange, ich sehe das erst frei lebende Kanguruh, es hoppelt ungefähr 3 m vor mir über die Straße. Auf den ganzen 60 km ist uns nur ein Holz-LKW entgegen gekommen, dieser vernebelte die Sicht für ein paar Minuten. In Omeo schlagen wir dann auf dem günstigen Campground unsere Zelte auf.

26.01.94    Omeo - Seaspray, Fahrtstrecke: 268 km, gesamt 1.351 km
Heute am 26. 1. ist Australia Day, allerdings macht sich diese Tatsache für uns nicht weiter bemerkbar. Von Omeo aus starten wir nach Bairnsdale. In Swifts Creek machen  wir noch einen kurzen Tankstop. Obwohl es erst zehn Uhr ist haben wir schon ca. 35C°. Die Strecke nach Bairnsdale ist sehr schön, linksseitig ein Fluss, Wald und viele Kurven. In Bairnsdale angekommen essen wir erst einmal Mittag. Die Temperatur ist inzwischen auf mindestens 40¡ angestiegen. Auch als wir wieder fahren, ist die Hitze spürbar, der Fahrtwind ist wie ein heißer Fön. Auf einmal geht meine DR während der Fahrt aus, ich habe noch genügend Benzin und sie springt auch gleich wieder an. Wir fahren weiter, und die DR geht noch ein paar mal wieder aus, und springt immer gleich wieder an. Vielleicht klemmt der Tankrucksack den Entlüftungsschlauch ab, ich schnalle den Tankrucksack auf das restliche Gepäck. 2-3 km später stehe ich wieder, oder bekommt der Vergaser durch die Hitze nicht genügend Sprit? Wir fahren nun langsamer weiter, ich denke schon, dass ich die Ursache entdeckt habe, aber nach 10 km stehen wir wieder. Der Motor springt  auch jetzt immer sofort wieder an, aber sobald ich die Kupplung kommen lasse, geht der Motor wieder aus. Die Ursache kann nur der Killschalter vom Seitenständer sein. Ich schiebe das Motorrad unter den nächsten Baum. Olaf's BMW will aus Solidarität auch nicht mehr anspringen, also schieben wir auch die BMW unter den Baum. Nachdem ich das Gepäck abgeladen und die Sitzbank abgenommen habe, bin ich schon ganz kaputt. Ich überprüfe alle Steckverbindungen, alles o.k. dann überbrücke ich den Killschalter. Zu unserer Erleichterung habe ich die Ursache damit behoben. An Olaf's Motorrad war nur das berüchtigte dritte Kabel der Batterie wieder losvibriert. Die Hitze macht einen ganz fertig, da kommen solche Schraubereinlagen in der Mittagshitze nicht gerade gelegen. Von Sale aus fahren wir Richtung Golden Beach an den 90 Miles Beach. In Golden Beach gibt es leider keinen Campingplatz, daher müssen wir noch die 26 km Seaspray fahren. 26 km die total ätzend sind, die Hitze ist wahnsinnig, der Fahrtwind ist, als wenn man am Feuer steht. Der Campingplatz in Seaspray ist nicht  gerade schön, aber direkt am Strand. Den schönen Schattenplatz unter einem großen Baum beansprucht leider schon ein großer Krebs, oder besser gesagt die Maden an ihm, er ist wohl schon länger tot. Nachdem wir das Zelt aufgebaut haben, gehen wir an den Strand zum abkühlen. Ich dachte eigentlich es wäre am Wasser etwas kühler, aber es ist, als bewege man sich in einer großen Freiluft Sauna. Im Wasser ist es dafür herrlich auszuhalten. Als es schon dunkel ist, kommt starker Wind auf und die Temperatur fällt auf angenehme Werte. Der Wind zerrt schon sehr stark an unserem Zelt, wir haben das Gefühl, dass ohne uns das Zelt vielleicht abheben würde.

27.01.94    Seaspray – Port Campbell , Fahrtstrecke: 648 km, gesamt 1.999 km
Über Nacht hat es sich stark abgekühlt, der Wind ist die ganze Zeit so stark geblieben. Als wir gegen acht Uhr losfahren ist es regelrecht kalt, schätzungsweise 17C° und immer noch sehr windig. Wir fahren auf dem South Gippsland Highway Richtung Melbowne. Bis Yarram geht es nur geradeaus, erst ab Foster wird die Strecke kurvig, die Straße geht über eine leicht hügelige Landschaft, die sehr grün ist. In Korunnbara essen wir Spaghetti zum Frühstück, um 11.00 Uhr geht das auch schon. Ab Dandenong beginnt ungefähr das Stadtgebiet von Melbourne, bis zur Innenstadt sind es noch 30 km. Melbourne lassen wir allerdings links liegen, da wir nach unserem relativ langen Aufenthalt in Sydney nicht schon wieder in eine Großstadt wollen. Wenn man das Stadtgebiet von Melbourne wieder verlässt, geht es über die große Hafenbrücke. Der Ausblick von der Brücke auf die Skyline von Melbourne ist grandios, leider kann man nicht anhalten um ein paar Fotos zu schießen. Der Wind ist immer noch sehr stark und die Temperatur liegt bei mäßigen 20C°. Wir bewegen uns auf Geelong zu, ab hier beginnt die Great Ocean Road. Die Great Ocean Road wird ab Torqay zum bisherigen Höhepunkt unserer Reise. Die Great Ocean Road bietet ein phantastisches Panorama und das über mehr als 100 km. Die Straße windet sich mit vielen Kurven an der Steilküste entlang. Die Blicke wandern über die Kilometer langen Strände die fast menschenleer sind. Alle 10 km warnen große Schilder Motorradfahrer vor Unfällen, in einer sehr übersichtlichen Kurve überholen wir einen langsamen VW-Bus und das gerade auf der Höhe eines Warnschildes, der Fahrer wird sich sicherlich gewundert haben. Nach Apollo Bay biegen wir in den Otway National Park ab. Vor uns ein Müllmann mit seinem Kleintransporter, er fährt für seine Verhältnisse ein irres Tempo. Nach ca.3 km beginnt wieder eine Gravel Road mit erst relativ gutem Schotter, dann mit 10-30 cm tiefem Sand. Wenn man am Gas bleibt geht es ganz gut, obwohl die Motorräder teilweise schon etwas am schlingern sind. Am Cape Otway wollten wir uns den Leuchtturm ansehen. Eingangs des Parks stand zwar, dass der Leuchtturm nur am Wochenende besichtigt werden kann, also nicht heute, aber dass man ihn an den anderen Tagen überhaupt nicht sieht, stand dort nicht. Wie fahren noch etwas durch den Regenwald des Otway National Parks zum Strand, die Piste dorthin ist teilweise hart ausgetrocknet und mit Spurrinnen durchfurcht, teilweise mit Steinen übersät. Der Strand ist klein und menschenleer. Es gibt hier auch die Möglichkeit sein Zelt aufzuschlagen. Es ist inzwischen schon 17.00 Uhr und wir wollen noch die ca. 80 km bis Port Campbell fahren. Die Strecke ist wieder total genial, wir lassen es so richtig schön laufen. Kurz vor Port Campbell tauchen dann die Zwölf Apostel auf, diese zwölf im Meer stehenden Felsen sind wirklich sehr imposant. Ob es wirklich zwölf Felsen sind weiß ich nicht, ich hab sie nicht gezählt. In Port Campbell wollen wir zwei Nächte bleiben und quartieren uns auf dem Campingplatz ein.

28.01.94    Seaspray, Fahrtstrecke: 50 km, gesamt 2.049 km
Heute ist wieder ein fauler Tag angesagt, am Nachmittag fahre ich zu den zwölf Aposteln und klettere die Gibson Steps zum Strand hinab, es ist umwerfend schön hier. Am Abend fahren wir noch einmal zum Sonnenuntergang an die zwölf Apostel. Zur Feier des Tages hat Olaf einen dicken Nagel im Reifen, wir erwischen gerade noch jemanden an der Garage und geben das Motorrad zum Flicken ab. Eigentlich wollten wir heute Abend gar nichts trinken, gehen aber doch in den Pub und bleiben dort hängen.

29.01.94    Seaspray – Victor Habour , Fahrtstrecke: 770 km, gesamt 2.819 km
Gegen halb zehn holen wir Olaf's Motorrad vom Reifenflicken ab, und dann geht es bis Mount Gambier weiter auf der Great Road. Nur am heutigen Tage präsentiert sich die Landschaft nicht so faszinierend wie vor zwei Tagen. Es liegt am Wetter, total bewölkt und verdammt kalt, jedenfalls wenn man wie wir kleidungsmäßig auf Hitze eingestellt ist. Ich wünsche mir das Thermofutter in die Jacke, aber das liegt auf der anderen Erdseite zu Hause. So müssen wir die 17C° halt ertragen. Ab Milicent wird die Strecke immer gerader und ab Kingston geht es nun nur noch gerade aus. Vor Meningen machen wir eine Pause und tanken, ich fülle etwas Öl auf. Beim wieder anlassen macht der Motor der DR ein fürchterliches Klackergeräusch. Es macht sich beim Fahren allerdings nicht bemerkbar, bis auf die gestiegene Geräuschkulisse. Unser Tagesziel ist die Halbinsel Fleurien Peninsula. Wie steuern Victor Habour an und finden dort für 5,50$ einen sehr schönen Campingplatz.

30.01.94    Victor Habour , Fahrtstrecke: 70 km, gesamt 2.889 km
Am darauf folgenden Tag bleiben wir noch in Victor Habour und sehen uns auf der Halbinsel einen kleinen Zoo an, wo wir erstmals auch Koalas zu sehen bekommen. Diese Tiere sind wie lebende Teddybären, am liebsten würde man sie auf den Arm nehmen und knuddeln. Auf dem Campingplatz kontrolliere ich das Ventilspiel, das sich auch als viel zu groß herausstellt, aber nicht der Grund für's klappern ist.

31.01.94    Victor Habour – Flinders Chase National Park (Kangaroo Island), Fahrtstrecke: 320 km, gesamt 3.209 km
Heute wollen wir mit der Fähre nach Kangaroo Island übersetzen. Vorher statten wir dem Suzuki Händler in Victor Habour einen Besuch ab. Er tippt sofort auf einen defekten Steuerkettenspanner als Ursache für das Klappergeräusch. Aber leider stellt sich seine Vermutung als falsch heraus. Ich muss mich wohl damit anfreunden, dass es am Kolben liegt. Wir fahren aber erstmal weiter. Nach 65 km über die hügelige Landschaft der Fleurien Peninsula erreichen wir Cape Jervis. Von hier aus geht die Fähre nach Kangaroo Island. Mit 98$ je Person und Motorrad hin und zurück ein nicht ganz billiges Vergnügen. Es wird sich aber als absolut lohnend herausstellen. Die Überfahrt dauert eine Stunde und ist von etwas Seegang begleitet. Ankommen tut man in Penneshaw. In Penneshaw ist es allerdings nur schlecht möglich Informationen über die Insel zu bekommen, wir fahren daher weiter nach Kingscote. Aber auch in Kingscote gibt es keine Vernünftigen Informationen. Der Reiseführer empfiehlt den Flinders Chase National Park im Westen der Insel. Von Kingscote sind es 110 km dorthin. Nach 20 km beginnt eine Spezialität der Kangaroo Island, unsealed Roads. Die meisten Straßen auf Kangaroo Island sind ungeteert. Im Flinders Chase National Park kaufen wir uns einen Island Pass. Mit dem Island Pass können wir in allen National Parks der Insel kostenlos zelten. Nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen haben fahren, wir zum Admirals Arch. Dort ist ein sehr schöner Leuchtturm. Von den Felsen der Küste aus kann man die Seehunde und Seelöwen beobachten, wie sie sich unten am Wasser sonnen. Vom Admirals Arch ist es ein Muss zu den Remarkable Rocks zu fahren. Die Remarkable Rocks sind erstaunlich geformte Felsen, jahrtausende Wind und Wasser Erosion haben sie in ihre heutige Form gebracht. Man könnte aber auch denken, dass es sich um moderne Plastiken eines Bildhauers handelt. Von unserem Zeltplatz aus gehen wir dann zu den Bäumen wo die Koalas leben, und wir sehen tatsächlich drei Stück hoch oben in den Bäumen. Die Känguruhs hier am Zeltplatz sind scheinbar viele Touristen gewöhnt. Tagsüber bringen Busse jede Menge davon hier her, jetzt am Abend sind wir aber nur ca. 4-5 Leute und das gut verteilt. Die Känguruhs sind total zutraulich und lassen sich fast streicheln, außerdem läuft hier noch ein Emu herum, sowie Wallabies und unzählige Vögel. Es ist wirklich traumhaft in dieser Natur zwischen allen diesen Tieren zu sitzen, so als sei es eine Selbstverständlichkeit.

01.02.94    Flinders Chase National Park (Kangaroo Island), Fahrtstrecke: 90 km, gesamt 3.299 km
Heute schlage ich vor, dass wir uns den Gorge Fall ansehen. Wir finden allerdings keine Ausschilderung dorthin, aber von der Snake Lagoun führt ein Wanderweg zu einem weiteren Wasserfall der an der Mündung des Rocky River entspringen soll. Ich dachte, wir würden mit zehn Minuten Fußmarsch auskommen, aber es werden dreißig Minuten und das in vollen Endurosachen inklusive Safty Jacke. An der Mündung des Rocky River müssen wir dann leider feststellen, dass außer dieser Flußmündung auch weiter nichts vorhanden ist. Ein Wasserfall ist wohl nur bei Hochwasser anzutreffen, jedenfalls nicht heute. Olaf ist, glaube ich, ein wenig in der Stimmung mich zu würgen. Als nächstes fahren wir zur West Bay, es empfängt uns ein menschenleerer weißer Strand. Natürlich haben wir keine Badesachen dabei. Wir machen uns auf den Rückweg zu unserem Zelt, dort packen wir unsere Badesachen ein und fahren zur Hanson Bay. Zwischendurch machen wir noch Rast an der Tandanya Farm, die hier in der Gegend des Flinders Chase National Parks die einzige Verpflegungsstation ist. Der Strand an der Hanson Bay ist auch sehr schön, nur hat es sich in der Zwischenzeit sehr bewölkt und es ist recht windig. Wir haben nicht mehr die große Lust zu baden und fahren zum Zeltplatz zurück. Von unserem Zeltplatz aus führt ein ausgeschilderter Walking Trail zum Rocky River Waterhole, hier soll man ein Platypus beobachten können, ein Schnabeltier. Obwohl wir geduldig über eine halbe Stunde an dem Wasserloch warten, bekommen wir das Platypus nicht zu Gesicht. Wie wir später erfahren, handelt es sich hierbei aber auch um ein Nachttier. Ein anderes Nachttier besucht uns später in unserem Zelt, ein Opossum. Wir waren zu faul den Müll noch zur Mülltonne zu bringen und ließen ihn daher im Vorzelt. Wir merken auf einmal das irgendwas am Zelt war. Mit den Taschenlampen leuchtete wir danach und sehen, das ein Teil des Mülls nach draußen gezogen worden war. Wir dachten, ein Känguruh hätte sich daran zu schaffen gemacht. Aber auf einmal tastete eine Pfote unter der Apsis hindurch nach mehr Müll, aber anstatt des erwarteten Känguruhs kam ein Opossum ins Zelt. Es blickte sich etwas um, lief über unser Gepäck und als es weiter nichts fand wieder unter der Zeltplane nach draußen. Der Schein der Taschenlampen hatte das Opossum überhaupt nicht gestört.

02.02.94    Flinders Chase Nationa Park – American River (Kangaroo Island), Fahrtstrecke: 178 km, gesamt 3.477 km
Morgen wollen wir Kangaroo Island wieder verlassen, aber vorher wollen wir noch an die Seal Bay und uns ein Campingplatz näher an der Fähre suchen. An der Seal Bay kann man viele Seelöwen aus nächster Nähe beobachten. Bei einer Guidet Tour ist es gestattet bis auf fünf Meter an die Tiere heran zu gehen. Mit unserem Island Pass ist diese Tour kostenlos und der absolute Hit. In Kingscote buchen wir unsere Fähre für den nächsten Morgen. In American River gehen wir auf einen Campingplatz. Der Campingplatz geh”rt zu einem Motel dazu und wir konnten die Einrichtungen des Motels mitbenutzen. Wir waschen umsonst unsere Wäsche, sonnen uns am Pool, baden im Whirlpool und essen im Restaurant. Zwischendurch gehen wir noch in den Bottle Shop. Uns ist dabei eine total witzige Verwechslungsstory passiert. Ein Mann aus Adellaide dachte, wir wären, bzw. einer von uns wäre der Verkäufer und wir dachten, er sei der Verkäufer. So ungefähr war der Verlauf unseres Gesprächs; Wir: „Wir hätten gerne 12 Dosen Fosters“, Mann: „Ja, 6 Dosen Fosters Light“, „Nein normaler Fosters“, „O.K. 6 Dosen Fosters“, „Ja, 6 Dosen Fosters oder VB“, _Wir möchten aber 12 Dosen“, „Nein, 6 Dosen Fosters oder VB“. Olaf und ich sahen uns blöde an, ich verzweifelte langsam, warum der Typ mich nicht verstand. Olaf kam dann endlich auf die Idee ihn zu fragen, ob er überhaupt der Verkäufer sei, er meinte dazu: „Nein, und ob wir nicht die Verkäufer seien“. Er erzählte uns dann noch, dass er aus Adelaide komme und das erste mal hier wäre. Immer noch leicht verwirrt, machten wir drei uns dann auf die Suche nach dem echten Verkäufer und bekamen tatsächlich noch unsere 12 Dosen Fosters. Beim Zeltaufbauen hatte Olaf das Zelt so platziert, das es halb im Ausgang des Campingplatzes stand. Die Wallabie Lookout Gruppe abends hat sich sicher gewundert, als sie uns dort am Wegesrand sitzen sah, unser Freund aus dem Bottle Shop war auch dabei.

03.02.94    American River - Adelaide, Fahrtstrecke: 782 km, gesamt 4.259 km
Um 8.30 Uhr ging unsere Fähre zurück von Penneshaw nach Cape Jervis. Auf der Fähre fuhren zwei mit Rindern beladene LKW's mit. Für die Rinder war es wahrscheinlich die letzte Fahrt in ihrem Leben. Über die Fleurien Penisula sind wir nach Hahndorf gefahren. Einiges in diesem Dorf erinnert an die deutschen Siedler, es wird aber auch entsprechend touristisch vermarktet. Weiter ging die Fahrt durchs Barossa Valley. Viele Weingüter im Barossa Valley tragen deutsche Namen wie Henschel, Schmidt oder Kellermeister. Landschaftlich enttäuschte uns das Barossa Valley, es war nicht so bergig, wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Weinberge erinnerten teilweise auch mehr an landwirtschaftliche Felder. Das Wetter war heute wieder so, wie wir es eigentlich immer erwartet hatten, sonnig und um die 36°C. Unser nächstes Fernziel sollte die Flinders Range sein. Wir fuhren jetzt durch eine sehr eintönige Gegend. Rechts und links nur Rinder- und Schafweiden und der Highway immer geradeaus. In Bura machten wir eine kurze Pause um etwas zu trinken. Olaf musste feststellen, dass sein Federbein die Kangaroo Island Pisten nicht gut verkraftet hatte. Das gesamte Dämpferöl war ausgelaufen, wir wollten aber trotzdem weiterfahren. Unser Tagesziel sollte Peterborough sein. Ich wollte meinen zweiten Hinterreifen aufziehen lassen bevor es auf die Pisten der Flinders Range ging. Olafs Fahrverhalten an der BMW hatte sich aber dermaßen verschlechtert, das an Piste fahren nicht zu denken war. Schon auf der normalen Straße war die BMW total am schaukeln. Wir entschlossen uns also, wieder nach Adelaide zurückzufahren. Wieder diese Kackstrecke, 240 km Rinder- und Schafweiden, Hitze und der wie immer starke Wind. Den ersten Motorradhändler, den wir sahen, suchten wir auf. Obwohl es schon nach acht war, sagten sie uns zu, sich gleich morgen früh darum zu kümmern. Wir sind dann auf einen merkwürdigen Caravan Park gefahren. Außer uns wohnten scheinbar alle anderen Leute für immer auf diesem Caravan Park, aber wir waren froh nach Receptions Ende noch untergekommen zu sein.

04.02.94    Adelaide
Pünktlich sind wir zum Motorradhändler aufgebrochen. Es war ein Yamaha Händler, Ranco Yamaha auf dem gleichen Grundstück war noch die Werkstatt von D.A.Mororcycle Repairs. Die beiden Firmen arbeiten scheinbar sehr eng zusammen. Der Chef von Ranco ruft bei BMW an, sie haben ein WP-Federbein vorrätig. Olaf fährt hin um es abzuholen, ich baue mein Hinterrad aus, um den zweiten Reifen aufziehen zu lassen. Beim einbauen regnet es andauernd wieder, so dass sich die Sache ziemlich hinzieht. Nach zwei Stunden kommt auch Olaf mal wieder. Er hatte sich total verfahren. Das Federbein war sogar billiger als in Deutschland. Steve von D.A. lasse ich meinen Motor hören; er meint auch, dass es der Kolben ist. Steve rät mir davon ab, noch weiter zu fahren. Da das Outback erst noch vor uns liegt, entschließe ich mich dazu den Motor zu reparieren. Wir erklären den Leuten von D.A., dass wir den Motor selber zerlegen wollen und dass sie uns nur bei der Beurteilung des Schadens helfen sollen. Außerdem müssten sie uns etwas Werkzeug leihen, für so eine Reparatur haben wir doch nicht alles dabei. Wir suchen uns einen neuen Campingplatz und fahren sofort zur Werkstatt zurück. Steve zeigt uns in seiner Halle einen Platz, wo wir die DR reparieren können. Wir sind völlig begeistert von dieser Hilfsbereitschaft, das gibt es in Deutschland sicher nicht. Aber es wird noch besser, der Chef von Ranco schlägt vor, seine Hebebühne zu benutzen, sowie sein Werkzeug. Profimäßig ausgestattet machen wir uns an die Arbeit. Zwei Leute helfen uns freiwillig dabei. Der Kolben ist o.k., die Kolbenringe müssen erneuert werden, daher auch der erhöhte Ölverbrauch. Die Ursache für das Klappern findet sich auch, die Nockenwelle und ein Kipphebel sind stark eingelaufen und müssen ausgetauscht werden. Ranco Yamaha telefoniert in ganz Adelaide herum, um die Teile aufzutreiben, er versucht es erst mit Gebrauchtteilen dann mit Neuteilen. Fehlanzeige, die Teile müssen in Sydney bestellt werden. Heute ist Freitag, am Dienstag sollen die Teile da sein. Wir fragen, wo wir unsere Motorteile hintun sollen, aber wie können alles so liegen lassen, die Leute von Ranco sagen, dass sie es schon wegräumen, wenn sie den Platz und die Hebebühne bräuchten. Ich habe keine Lust auf Olaf's Gepäckträger mitzufahren, die BMW hat nur eine Einmannsitzbank. Ich frage, ob Ranco oder D.A. mir ein Motorrad übers Wochenende leihen können, ich bekomme eine 125 er Zweitakt Yamaha. Auf dem Campingplatz zurück, sehen wir, dass unser Zelt neu befestigt wurde, der Wind hatte es fast weggeweht. Tolle Menschen hier.

05.02.94    Adelaide
Wir hatten heute durch unseren eher unfreiwilligen Stopp in Adelaide mal wieder Gelegenheit auszuschlafen. Olaf und ich sind dann beide auf der Loan Yamaha in die City von Adelaide gefahren. Die Fußgängerzone Adelaides, Rundle Mall, ist zwar schön, doch nichts Weltbewegendes. Aber wenn man das Myer Center betritt stockt einem der Atem. Fünf Stockwerke hoch, in der Mitte offen und unter dem Dach einer kleinen Achterbahn. In den beiden obersten Etagen befindet sich nämlich ein Feizeitpark für Kinder. Von jeder Etage aus kann man das eigentliche Myer Kaufhaus betreten, von der Aufmachung ein Luxuskaufhaus, von den Artikeln eher normal. Im Keller des Myer Center findet man ein Fressparadies, zwischen Speisen der halben Welt kann man hier wählen. Wir wollten uns noch die Galerie im Aboriginal Kulturzentrum ansehen, aber leider war sie nicht geöffnet. Neben unserem Campingplatz befand sich eine Speedway und Dragster Rennstrecke, am Abend besuchten wir dort ein Dragster Rennen. Die Drag's der Top Fuel Klasse waren höllisch laut und die Erde bebte beim Start. An der Rennstrecke liefen die wildesten Freaks herum.

06.02.94    Adelaide
Heute am Sonntag haben wir nochmal lange gepennt und sind dann trotz Bewölkung an den Strand gefahren. Nach zwei Stunden am Beach, sah es stark nach Gewitter aus, daher fuhren wir zum Campingplatz zurück. Aber wie nicht anders zu erwarten, kam das Gewitter natürlich nicht. Den Rest des Tages haben wir uns dann fast zu Tode gelangweilt.

07.02.94    Adelaide
Endlich wieder Montag, die Geschäfte haben wieder auf. Mit der Yamaha machen wir uns auf den Weg in die City, die Kiste läuft mit zwei Leuten tatsächlich 115 km/h. Wie mussten unbedingt noch einmal ins Myer Center. Nachmittags sind wir dann an den Henley Beach zum sonnen, gemäßigt sonnen. Eins muss man sich in Australien merken, lege Dich nicht mit der Sonne an, du ziehst den Kürzeren. Heute wollten wir mal ausprobieren, wie es bei Kentucky Fried Chicken schmeckt. Eine ganze Zeit gurkten wir durch den Feierabendverkehr, fanden aber keinen KFC Laden, so hatten die Konkurrenz von Hungry Jacks Glück uns als Gäste zu bewirten.

08.02.94    Adelaide, Fahrtstrecke vom 4.-8.02.: 400 km, gesamt 4.659 km
Die Teile für die DR sind tatsächlich pünktlich am Dienstag eingetroffen. Jetzt, wo ich den Vergleich zwischen alter und neuer Nockenwelle sehe, bereue ich es nicht mehr sie auszutauschen. An der alten Nockenwelle fehlen glatte drei Millimeter. Eine Stunde lang musste ich dann mühsam die alte Dichtung abschaben. Da wir schon einmal in Deutschland an dem Motor dabei waren, ging das Zusammenbauen routinemäßig fix, Kolben rein, Zylinder drauf, Zylinderkopf drauf. Nur die Feder des Dekohebels macht etwas Schwierigkeiten. Nach viereinhalb Stunden läuft der Motor wieder. Der Grund für diesen Schaden war wohl so, durch die abgenutzten Kolbenringe war der Ölverbrauch relativ hoch, dann bin ich wohl zu lange an der Minimumgrenze des Ölstandes gefahren, infolgedessen ist wahrscheinlich zuwenig Öl im Zylinderkopf angelangt und die Nockenwelle hat am Kipphebel gefressen. Was merkwürdig ist, ist dass nur ein Nocken sowie Kipphebel betroffen war. Auch wenn sie es nicht lesen, bei Ranco Yamaha und D.A. Motorcycle Repairs kann ich mich nur bedanken. Wir konnten von Ranco sämtliches Werkzeug und die Hebebühne benutzen, außerdem hat er überall für die Teile angerufen ohne, dafür etwas zu verlangen. D.A. haben mir kostenlos die Yamaha geliehen, sowie den Zylinder poliert und die Kolbenringe eingebaut. Auf der Fahrt zum Carvan Park läuft die DR etwas kotzig, ich stelle den Vergaser nach, baue neue Zündkerzen und einen neuen Luftfilter ein, danach läuft sie wieder top, na ja, was top halt für eine DR heißt.

09.02.94    Adelaide - Arkaroola, Fahrtstrecke: 670 km, gesamt 5.329 km
Endlich wieder “back on the road”. Um 8.00 ging es los, bei Port Pierie tanken wir und haben auch erstmals unsere Kanister mit aufgefüllt. In der Flinders Range werden die Tankstellen Entfernungen schon wesentlich größer, und eine Sicherheitsreserve sollte man immer dabei haben. Es geht weiter Richtung Port Augusta, bei Stirling North biegen wir nach Quorn ab, von Quorn immer weiter gen Flinders Range. Die DR macht wieder komische Geräusche, diesmal vom Hinterrad her, ich lockere die Kette etwas und danach ist es weg. Kurz hinter uns verwest ein Känguruh, der Verwesungsgeruch liegt penetrant in der Luft. Von weiten sehen wir ein Motorrad kommen. Es ist Helmuth aus Österreich. Das Motorrad von ihm sieht sehr abenteuerlich aus. Eine alte Z1000, rechts und links zwei zwanzig Liter Kanister, ein Tramperrucksack auf dem Gepäckträger, zwei weitere kleine Rucksäcke an die Kanister geschnallt und an den Kanister außen noch zwei Ersatzreifen. Einen Michelin Desert für Pisten und einen fast abgefahrenen Straßenreifen den er für 20$ billig gekauft hat. Wir fahren gemeinsam mit Helmuth weiter. Die Flinders Range ist fast ohne Wald, vereinzelt ein paar Bäume sowie Buschwerk. Die Pisten bestehen aus mittleren Steinen. In Blinman tanken wir, die Tankstelle ist gleichzeitig das einzige Geschäft und die Post. Gegenüber im Hotel trinken wir etwas. Insgesamt sieht das Kaff aus wie im Western. Von dort fahren wir die 150 Km bis Arkaroola. Die Strecke läßt sich gut fahren, in der Fahrbahn befinden sich viele Floodways und jedesmal schlägt die DR voll durch. Unser Tempo liegt trotzdem bei über 100 Km/h. Irgendwie fühlt man sich dann immer ein wenig wie bei der Paris-Dakar. 20 Km vor Blinman hat Helmuth einen Platten, es dauert fast eine Stunde bis er den Reifen geflickt hat. Der Grund für die Reifenpanne war ein Känguruhknochen, echt australisch. Wir gönnen Helmuth noch eine Pause, die Hitze hat ihn, beim Reifenflicken ganz gut zugesetzt. Es ist schon etwas dämmerig geworden und wir müssen zusehen, ans Ziel zu kommen. Eine Emu Familie läuft vor unseren Motorrädern her, mit ca. 60 Km/h und das ein paar hundert Meter lang. Wir müssen jetzt sehr vorsichtig fahren. Die Känguruhs sind jetzt sehr aktiv und laufen dauernd irgendwo über die Straße. Endlich in Arkaroola angekommen, trinken wie zur Erfrischung ein paar Bier. Es ist inzwischen schon dunkel und wir bauen die Zelte im Schein der Motorräder auf. Es war den ganzen Tag sehr heiß, ca. 38°C, auch jetzt sind es noch 25°C, in der Hitze kann man kaum schlafen.

10.02.94    Arkaroola - Copley, Fahrtstrecke: 150 km, gesamt 5.679 km
Am Morgen macht Helmuth den Vorschlag, nicht auf der Hauptstrecke nach Copley zu fahren. Auf seiner Karte ist eine kleine andere Strecke eingezeichnet, auf meiner Karte gibt es die Strecke gar nicht. An der Tankstelle von Arkaroola fragen wir nach, ob die Stecke befahrbar ist, sie soll es sein. Gleich von Anfang geht es über dicke Steine, aber es lässt sich noch gut fahren. Die Steine werden immer größer, teilweise Handballgroß. Hinter einer Kurve habe ich noch etwas zuviel Speed drauf und gerate in eine tiefe Spurrinne. Ich komme nicht mehr raus und auf die Fahrbahn zurück, auf einmal ist ein fünfzig cm breiter und ein Meter tiefer Graben vor mir. Ich bleibe am Gas und komme unbeschadet rüber, erst danach lege ich mich in einen kleinen Busch ab. Helmuth hat sich witzigerweise auch gerade hingelegt. Kleine Steine und Schlamm haben seinem Schutzblech zugesetzt und das Vorderrad konnte sich nicht mehr drehen. Der Boden ist auch sandiger geworden, das heißt jetzt im Regen ist es Schlamm. Irgendwann ist der Weg weg, wir stehen mitten auf einer Weide Querfeldein, suchen wir nach dem Weg und finden ihn auch. Helmuth bleibt mit seinem Hinterrad in einem Hasenbau hängen. Olaf und ich schieben ihn wieder raus. Der Weg besteht wieder aus kleinen Steinen, ich meine noch „wir hätten wohl das Schlimmste überstanden“, Denkste! Hinter einer der nächsten Kurven hat Helmuth sich wieder lang gemacht. Ich sehe ihn liegen und denke „Gas“, und schon liege ich auch. Der Boden ist total aufgeweicht, man kommt nicht weiter als 2-3 m. Wir schieben jedes Motorrad 200 Meter weit zu dritt aus dem Schlamm. Helmuth will nicht mehr, er entschließt sich dort zu bleiben und auf besseres Wetter zu warten. Olaf und ich wollen weiter, Olaf fährt schon voraus. Am Rand der Piste auf den, ja was denn? Ich denke Weiden, dort liegen mehr Steine und man kann dort besser fahren. Aber immer wieder durchziehen trockene Bäche das Gelände. Teilweise kann man durch die Creeks durchfahren, teilweise sind die Ränder aber zu steil, dann heißt es zurück auf die Piste. Dort beginnt der Eiertanz wieder von vorne. Beim Zurückfahren auf die Weide bleibe ich am Anleger hängen und stehe schräg da, langsam rutscht mein Stiefel auf dem Schlamm weg und ich liege wieder im Dreck. Der Schwerpunkt der DR ist durch den hohen Tank und die beladenen Alukisten ungünstig hoch. Die DR mit 80 Kg Gepäck wieder aufzuheben wird dadurch zum Gewaltakt. Wir kämpfen uns weiter, es ist eine Qual. Ein VW Bus mit Allrad Antrieb überholt uns, er kommt im Drift gut voran. Es hat aufgehört zu regnen und die Piste wird wieder etwas besser. Wenn die Spuren zu tief aussehen, fahren wir wieder Querfeldein. Nach 100 langen Kilometern sind wir wieder auf der Hauptstrecke. Insgesamt sind wir jetzt irgendwas bei neun Stunden unterwegs. Für die schwersten 50 Km brauchten wir fünf Stunden, allein für die 200 Meter Motorrad schieben ging eine Stunde drauf. Jetzt liegen nur noch schnell zu fahrende 50 Km unsealed Road vor uns. Aber auf den letzten 50 Km meldet sich die DR nochmal, der Benzinhahn hatte sich wohl etwas zugesetzt. Ich kippe etwas Benzin nach, dadurch spült es sich wieder frei. In Copley schlagen wir unser Zelt auf. Zu unser Überraschung kommt 1,5 Stunden später auch Helmuth an. Ich bin froh, dass dieser Tag zu Ende ist. Wir haben für 150 km zehn Stunden gebraucht, sechsmal lag ich im Dreck, Helmuth vier oder fünfmal und Olaf hatte wieder das beste Stehvermögen, nur drei Stürze. Beim nächsten Regen besser keine Piste.

11.02.94    Copley – William Creek, Fahrtstrecke: 350 km, gesamt 6.029 km
Nachdem die Flinders Range schon ein wenig Bevölkerter Fleck ist, soll es ab heute noch etwas einsamer werden. Der Oodnadatta Track liegt ab heute vor uns. Bevor es aber soweit ist, müssen wir noch Lebensmittel Reserven für einige Tage kaufen, sowie noch einmal tanken. Wir fahren dazu von Copley nach Leigh Creek, außerdem benötigt Helmuth noch einen neuen Schlauch, wegen Plattfuß NR.2. Als wir wieder in Copley sind, ist Helmuth immer noch nicht soweit. Es ist bereits halb zwölf als wir endlich loskommen. Die ersten 30 km ist die Straße noch geteert, danach beginnt eine sehr gut zu fahrende Piste. In Maree tanken wir noch einmal, Olaf`s Benzinkanister leckt etwas und wir flicken das Leck mit Kaltmetall. Die Schrauben der Kanisterhalterung haben sich tief in die Kanister gearbeitet. Zur Sicherheit unterlegen wir die Kanister noch mit einigen Stücken vom Spanngurt. Die nächsten 203 km gehen durch das totale Nichts, William Creek ist erst wieder der nächste Ort. Außer dem Oodnadatta beginnt in Maree noch der Birdsville Track der in die Simpson Desert führt. Uns lange aber die mindestens 35°C hier, und so geht`s los auf dem Oodnadatta Track. Nach nur 10 km ist aber erstmal wieder Pause, Helmuth hat seinen dritten Platten. Dieses Mal war es der Vorderreifen , einen Sturz konnte er noch gerade verhindern. Nach der erneuten Flickaktion fährt er sein eigenes Tempo hinter uns. Am südlichen Ausläufer des Lake Eyer machen wir einen Fotostop, bald brechen wir aber wieder auf, da es schon relativ spät ist. Mit 110-120 km/h fahre ich vorweg. Es ist ein Riesenspaß wie das Motorrad unter einem hin und her wackelt, aber durch etwas Gas bleibt es immer in der Spur. Vielleicht ist das Tempo doch etwas hoch? Hinter einer Kurve, aus der ich mit 120 km/h heraus komme, liegt der Balken eines Straßenschildes genau auf meiner Fahrbahn. Zum Ausweichen ist es jetzt zu spät, ich stelle mich in die Fußrasten und knalle über ihn hinüber. Vorsichtshalber halte ich an, ob am Motorrad alles o.k. ist. Olaf erging es genauso wie mir, aber die Motorräder haben es weggesteckt. Vor William Creek ist noch ein gemeines Balldust Loch, das ich mit sehr rührigem Fahrstil nehme. Am Roadhous in William Creek ist richtig was los. Eine Busreisegruppe bevölkert den Campground und den Pool. Wie gehen erstmal ein Bier in der Bar trinken. Anja aus Herford spricht uns an, sie neidet es uns ein wenig, dass wir mit den Motorrädern unterwegs sind. In Deutschland hat sie selber zwei Stück. Sie hatte ihre Reise aber sehr kurzfristig geplant, da gerade arbeitslos, und ist nun bis Alice Springs mit dem Bus unterwegs. Nach unserem zweiten Bier trudelt auch Helmuth ein, er hatte wesentlich mehr Schwierigkeiten mit der Piste. Was will man auch von einer Straßenmaschine verlangen. Außer dem Roadhouse gibt es in William Creek nur ein weiteres Haus. Das Roadhous ist gleichzeitig Bar, Hotel und Campground. Offiziell leben 15 Menschen in William Creek. Die Entfernung zu den nächsten Ortschaften ist auch gigantisch. Nach Maree sind es 203 km, nach Oodnadatta 206 km und nach Cooper Pedy 160 km. Und nach Osten ist außer der Simpson Desert lange Zeit gar nichts, also auch keine Straße. Am Abend geht eine absolut geile Party ab. Die Öffnungsdauer der Bar kann hier sowieso keiner kontrollieren. Die Bar ist der helle Wahnsinn. An den Wänden und der Decke hängen überall Visitenkarten, Führerscheine und Kreditkarten, die zum Teil noch gültig sind. Außerdem T-Shirts, BH`s und und und... .Um zwei Uhr morgens schmeißt der Wirt uns dann raus. Draußen trinken wir unser letztes Bier aus und genießen noch etwas den Outback Sternenhimmel. So viele Sterne, wie hier, habe ich noch nirgends gesehen, vielleicht kann man durchs Ozonloch ja besser sehen? Ha, ha, ha, aber trotzdem faszinierend.

12.02.94    William Creek – Coober Peedy, Fahrtstrecke: 170 km, gesamt 6.199 km
Der etwas umstrittene Vorteil, wenn man richtig schwer feiert mit einigen ganz vielen Bieren ist, dass man auch am nächsten Tag noch etwas davon hat. Genauso geht es mir heute Morgen. Der Kopf ist recht schwer, aber auch Olaf hat noch was von der gestrigen Party mit rüber retten können. Wie wollen heute nach Coober Pedy fahren, an der Bar gönnen wir uns ein Frühstück. Ein Australier ist schon wieder stockbesoffen, er bekommt nur noch ein Wort heraus, VB (ein Bier der Carlton Brauerei). Aber das langt allemal zum Bier bestellen. Wie trennen uns heute wieder von Helmuth und nehmen die 160 km nach Coober Pedy in Angriff. Die Piste nach Coober Pedy ist ziemlich sandig und teilweise auch sehr kurvig. Aber trotzdem fahren wir zügig und driften durch die Kurven. Vor der Kurve einen Gang runterschalten und dann mit Gas durch die Kurve. Das Fahren auf den Pisten macht wirklich viel Spaß, aber heute Morgen hätte die Strecke doch etwas einfacher sein können, wegen der gestrigen Nachwirkungen. Nach knapp 2 Stunden sind wir in Cooper Pedy. Auf dem Campingplatz erholen wir uns etwas und sehen uns dann Cooper Pedy an. Cooper Pedy ist aber kein besonders attraktiver Ort. Drumherum nur Wüste und auch der Ort macht einen staubigen Eindruck. Der touristische Anziehungspunkt sind die Opalminen unter Tage. Außerdem liegen viele Wohnungen unter der Erde in den Berg gebaut. Wir besichtigen solch ein Dagout. Von außen sieht das Haus sehr unscheinbar aus, von innen ist es sehr geräumig und schön eingerichtet. Der Clou an diesen Dagouts ist die gute Isolierung gegen Hitze. Der Besitzer erzählt uns das vor drei Tagen 46°C auf der Terrasse gewesen sein, im Haus waren es 25°C. Heute ist es zum Glück nur 35°C draußen und im Haus 21°C. Im Winter liegt die Temperatur innen bei 19°C. Dieses Dugout, das wir für 2$ besichtigt haben, ist schon mit das Beste an Coober Pedy, ansonsten ist dies ein ziemlich totes Kaff. Ein deutscher Auswanderer erzählt uns, dass es bis vor fünf Jahren noch nicht einmal Fernsehen gab. Heute hat Coober Pedy für seine 2500 Einwohner zwei eigene kleine Fernsehstationen.

13.02.94    Coober Peedy - Kulgera, Fahrtstrecke: 610 km, gesamt 6.729 km
Da Coober Pedy sich als eigentlich nicht lohnenswert für einen Umweg herausgestellt hat, fahren wir heute zurück zum Oodnadatta Track. Die Strecke von Coober Pedy bis nach Oodnadatta lässt sich fahren wie eine Autobahn, bis auf das eine Wasserloch. Das Wasserloch lag hinter einer Kuppe und war erst 20 m vorher zu sehen. Ich hoffte mit Gas durchzukommen, wurde aber hart gebremst und schmiss die Karre hin. Ich rutschte durchs Wasser und noch einige Meter weiter. Dank Safty Jacke ist nichts passiert, an der DR hingen die Kisten etwas schief. Ziemlich nass und dreckig fuhr ich weiter. Oodnadatta war wieder so ein einsames Outback Kaff mit schätzungsweise fünfzig bis hundert Einwohnern. Ab Oodnadatta wurde die Piste immer schlechter, ließ sich aber immer noch zügig fahren. Ich hätte die Sache aber doch etwas langsamer angehen sollen. Das ca. 50 m lange Sandloch verließ ich so stark pendelnd, das Motorrad versetzte um einen halben Meter, das ich wieder auf die Fresse flog. Als ich hinter der DR hinterher rutschte, musste ich mit ansehen, wie sie es nicht nur beim rutschen beließ, sondern auch noch einen Salto schlug. Vor lauter Wut hätte ich am liebsten meinen Helm hingefeuert, nahm aber lieber nur die Handschuhe. Diesmal hingen die Kisten noch verbeulter und schiefer und der Tacho, die Blinker vorne sowie die Handprotektoren hatten sich verabschiedet. Genau genommen hatten alle Plastikteile etwas abbekommen. Der Tankrucksack hatte schon beim ersten Sturz sein Oberteil verloren, jetzt war er auch noch seitlich etwas eingerissen. Aber die Ortlieb Wasserbeutel in den Seitentaschen des Tankrucksacks haben alles unbeschadet überstanden und den Tank vor Beschädigung geschützt. Mit Kabelbindern fuchsten wir den abgebrochenen Kupplungshebel wieder an. Ich sammelte meine restlichen über die Piste verstreuten Teile ein und es konnte weitergehen. Zur Ehrenrettung sei erwähnt, dass Olaf sich auch hingelegt hatte, aber sehr langsam und ohne Schäden. Besonders ärgerlich war, das Marla, und damit das Ende der Piste, nur noch 20 km weg war. Ich hatte vom Vorwegfahren genug und ließ Olaf nun vorausfahren. In Marla deckten wir uns noch mit weiteren Kabelbindern, sowie dicken Isolierband ein, damit kann man fast alles flicken. Die 178 km bis Kulgera gingen nur geradeaus. Highway fahren ist ja so todlangweilig.

14.02.94    Kulgera - Yulara, Fahrtstrecke: 340 km, gesamt 7.069 km
Bevor es heute morgen zum Ayers Rock weitergeht, lasse ich am Roadhouse noch meinen Träger schweißen. Ich würde gerne, trotz meiner gestrigen Bodenkontakte, den unbefestigten Gunbarrel Highway fahren. Olaf möchte lieber auf geteertem Wege zum „Ayers Rock“ fahren. Also entscheiden wir uns für den Weg über den Stuart und Lasseter Highway. Durch unsere Schrauberei kommen wir erst um halb zwölf los. Es ist bereits wieder sehr heiß. Alle 100 km machen wir einen Stop, um etwas zu trinken. Nach 340 km erreichen wir das Yulara Resort. In dieser künstlichen „Oase“ ist alles ziemlicher Touri Nepp. Der Campingplatz kostet pro Person und Nacht 9 $, das doppelte wie sonst, dafür ist er sehr sauber. Die Zelte stehen auf grünen Rasenflächen, und es gibt einen öffentlichen Kühlschrank. Bei den heutigen Temperaturen um die 40°C gehen wir erst einmal in den Pool. Wir wollen dann etwas Essen gehen. Die Preise für Fast Food sind aber auch total überzogen. Wir entschließen uns dafür zum ersten Mal selber zu kochen. Im Amphietheater des Tourist Resort findet 6 x die Woche ein Konzert mit Aboriginal Musik statt. Von den Aboriginals ist allerdings nur die Musik vorhanden. Die Gruppe Indiginy besteht hauptsächlich aus weißen. Aber die Musik ist trotzdem toll, und der Kopf der Gruppe spielt sein Didgeridoo wirklich genial gut. Zu der Musik läuft ein Film über das Nothern Therritory mit tollen Bildern. Nach dem Konzert gehen wir noch ein Bier trinken im einzigen Pub im Resort. Bald verlassen wir den ungemütlichen Laden aber wieder, er würde besser auf Ibiza passen. Im Freien sind es immer noch über 25°C, ich habe selten eine so warme Nacht erlebt.

15.02.94    Kulgera - Yulara, Fahrtstrecke: 150 km, gesamt 7.219 km
Wieder einmal war in der Nacht starker Wind aufgekommen, und am nächsten Morgen hat der Himmel sich total bedeckt gezeigt. Auch die Temperaturen waren wieder stark gefallen. Wir starten zum Ayers Rock. Der Eintritt in den Uluru National Park kostet 10$ und ist für 5 Tage gültig. An der Sunset Viewing Area halten wir an. Da liegt er jetzt vor uns, der Ayers Rock. Von den Aborigines Uluru genannt. Es ist schon ein beeindruckendes Gefühl den Ayers Rock so aus der Landschaft aufsteigen zu sehen. Nun sind wir an dem erklärten Höhepunkt unser Reise angekommen. 7000 km liegen bis jetzt hinter uns. Wir fahren direkt an den Ayers Rock und amüsieren uns über die Touristenschar, die den Ayers Rock bestiegen haben. Auch wenn man von dort oben einen tollen Ausblick haben soll, wir haben keine Lust auf derartige Anstrengung. Außerdem finden die Aborigines das auch nicht gut, wenn der Berg bestiegen wird. Wir fahren einmal um den Ayers Rock herum und machen uns auf den Weg zu den Olgas. Die Olgas, Kata Tjuta in der Aboriginal Sprache, sind ca. 30 km von Ayers Rock entfernt und nicht minder interessant. Als wir an den Olgas ankommen, ist der Himmel noch bedeckt. Es ist schon verrückt, wie sich das Wetter teilweise von einem Tag auf den anderen ändert. Zwei Dingos liegen gelangweilt zwischen dem Spinfex Gras. Der eine bequemt sich dann aber für ein Foto aufzustehen, legt sich dann aber gleich wieder hin. Den Nachmittag verbringen wir mit Einkaufen und Karten schreiben. Taki aus Japan gesellt sich zu uns, er hat es erst im Backpacker versucht ist aber vor seinen ganzen japanischen Landsleuten geflüchtet. Er ist mit einer kleinen TT 250 von Yamaha unterwegs. Er studiert in Japan  und nimmt seine letzte Chance war, noch einmal lange Urlaub zu machen. Der Sonnenuntergang am Ayers Rock fällt buchstäblich ins Wasser, es regnet.

16.02.94    Yulara
Am Morgen regnet es immer noch, und wir entschließen uns, noch einen Tag zu bleiben. Das Wetter wird den ganzen Tag nicht besser und wir verdaddeln den Tag so. Abends gehen wir noch einmal mit Taki zum Konzert, wegen des schlechten Wetters findet es diesmal in einem Hotel statt. Leider ist es ohne Film und auch viel kürzer. Wegen des Regens ist der Sonnenuntergang schon wieder ausgefallen. Es ist zum verrückt werden. Wir befinden uns in der trockensten Gegend Australiens, und gerade wenn wir hier sind, muss es Regnen.

17.02.94    Yulara – Kings Canyon, Fahrtstrecke: 340 km, gesamt 7.559 km
Da uns schon ein vernünftiger Sonnenuntergang entgangen ist, wollen wir wenigstens einen Sonnenaufgang sehen. Um 6.00 Uhr fahren wir zum Ayers Rock. Aber ganz wolkenfrei ist es immer noch nicht, und so ist der Sonnenaufgang auch ein nur mittelprächtiges Erlebnis. Wir fahren zurück zum Campingplatz und bauen unser Zelt ab. Ich würde am liebsten so lange warten bis das Wetter wieder gut ist, aber soviel Zeit haben wir nun auch nicht. Als nächstes Ziel liegt der Kings Canyon vor uns. Bis dort hin sind es ca. 320 km. Hinter Curtis Springs zweigt die Straße nach links ab und ist 30 km später wieder unsealed. Durch das regnerische Wetter und die lange Baustelle, sowie den regen Verkehr von Bussen und Trucks, ist die 70 km lange Piste mit starkem Wellblech versehen und stellenweise sehr schmierig. Uns ist teilweise etwas komisch zumute, die Erinnerung an die Schlammschlacht in Flinders Range ist noch sehr wach. Am Kings Creek Roadhouse machen wir eine etwas längere Pause. Es fängt jetzt wieder stark zu regnen an. Zum Glück ist der Rest der Strecke zum Kings Canyon geteert. Der Campground im Kings Canyon Resort ist sehr gut angelegt und auch mit Pool ausgestattet, nur das Wetter ist nicht so sehr zum baden geeignet. Wir wollen uns nun den Kings Canyon genau ansehen. Vom Resort aus sind es 10 Km bis dort hin. Wir beschließen den 6 km langen Kings Canyon Walk zu gehen. Gleich am Anfang des Wanderweges steht ein Gedenkstein, der an eine Frau erinnert, die bei einer Wanderung um den Canyon an einem Herzschlag gestorben ist. Die ersten paar hundert Meter hätten wir auch noch mit den Motorrädern fahren können. Aber dann stehen wir vor den „Climbing Steps“, wir hatten anhand unserer Karte eigentlich so etwas wie eine Art Treppe erwartet. Aber anstatt einer Treppe geht es fast in Bergsteigermanier den Naturfels hoch. Jetzt sind wir doch froh, das es nur 20°C warm ist und bewölkt. Die Landschaft um den Canyon herum ist unheimlich bizarr. Die Felsen haben teilweise eine ganz merkwürdige Struktur, ähnelt irgendwie von den Abbrüchen her Schiefergestein. Teilweise sind die Felsen wie abgeschnitten. An einigen Stellen fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Nach zwei Stunden sind wir wieder am Parkplatz zurück. Der Weg war zwar teilweise etwas anstrengend, hat sich aber absolut gelohnt. Abends sitzen wir am Lagerfeuer und unterhalten uns stundenlang mit den anderen Reisenden, die noch auf dem Campingplatz sind. Zum Beispiel eine junge Französin, die seit 5 1/2 Jahren mit ihrer 125 Zweitakt Yamaha unterwegs ist. Sie startete damals in Kanada, fuhr bis Südamerika, von dort aus nach Australien. Bisher 60.000 km ohne Probleme. Wir sind total beeindruckt.

18.02.94    Kings Canyon – Tie Tree, Fahrtstrecke: 570 km, gesamt 8.129 km
Das Wetter war heute Morgen wieder richtig gut als wir aufstanden. Die Sonne schien und die Wolken, die man sah, schienen keine Regenwolken zu sein. Wir fuhren los in Richtung Alice Springs. Nach etwa 50 km fing wieder die Piste an. Durch den Regen der letzten Tage war die Strecke sehr aufgewühlt und sah eher nach Panzerübungsgelände aus. Wir fuhren daher meist nur mit mäßiger Geschwindigkeit. Je weiter wir nach Alice Springs kamen, desto mehr bewölkte sich der Himmel wieder. Kurz vor Alice Springs fing es auch wieder an zu tröpfeln. In Alice Springs besorgte ich mir einen neuen Kupplungshebel und Öl sowie einen Ölfilter. Wir ließen Alice Springs dann gleich hinter uns und fuhren den Stuart Highway weiter Richtung Norden. Es fing jetzt wie aus Eimern an zu regnen. Die ungeteerten Seitenstraßen sahen schon ziemlich übel aus. In den Spurrinnen, einer Straße, die als Tourist Drive gekennzeichnet war, stand das Wasser in großen Pfützen. Wie entschlossen uns, unsere Idee den 800 km langen ungeteerten Plenty Highway zu fahren zu vergessen. Die „Dirt Road“ in der Flinders Range war sehr lehrreich in dieser Beziehung. Wir wollten ein Roadhouse ansteuern das etwa 500 m von der Straße entfernt lag. Die ungeteerte Straße dorthin bestätigte uns nur in unserer Entscheidung den Plenty Highway besser nicht zu fahren. Nach 200 m, die wie auf Schmierseife zu fahren waren, drehten wir wieder um und fuhren auf dem Highway weiter. Es goss immer weiter. Wenn einem dann, bei diesem Regen, ein Road Train entgegenkommt, ist es schon ein Vergnügen von seinen drei Anhängern geduscht zu werden. In Tie Tree essen wir im Roadhouse erstmal etwas. Wir sind bis auf die Haut durchnässt. Unsere einstmals Wasserdichten Endurojacken haben beim Regen überhaupt nicht standgehalten. Meine neuen Gore-Tex-Stiefel taugen auch nix für Regen. Im linken Stiefel steht das Wasser und der Rechte ist auch klamm. Olaf's Endurostiefel sind sowieso nicht wasserdicht. Wir haben keine Lust mehr, noch bis Tennant Creek weiterzufahren. Um unsere Sachen besser trocken zu bekommen, wollen wir im Backpackers Raum schlafen. Nach unserer Besichtigung des Raumes, entschließen wir uns aber doch lieber für unser Zelt. Der Raum roch ziemlich muffig. In der Nacht bekommen wir mal wieder Besuch im Zelt, der Hund des Roadhouse Besitzers macht es sich in unserem Vorzelt bequem.

19.02.94    Tie Tree – Mt. Isa, Fahrtstrecke: 1.030 km, gesamt 9.259 km
Am nächsten Morgen ist es immer noch stark bewölkt. Unsere letzte Hoffnung, vielleicht doch noch den Plenty Highway zu fahren, ist damit auch begraben. Denn nach den starken Regenfällen braucht es wenigstens einen halben Tag mit Sonne, um die Piste wieder durchzutrocknen. Aber der positive Nebeneffekt ist, dass wir so an den Devil Marbles vorbeikommen. Die Devil Marbles sind zum Teil riesige Steine, die durch Wind- und Wettererosion kugelrund geschliffen wurden. Das Steinfeld ist viel größer als wir es uns vorgestellt hatten. Inzwischen ist auch wieder strahlend blauer Himmel, wenigstens an dieser Attraktion stimmt das Wetter wieder. Das Witzige an den Devil Marbles ist auch, das vor und nach diesem Steinfeld solche Steingebilde nicht mehr vorhanden sind. Etwas nach Tennant Creek, in Three Way's biegen wir auf den Barkly Highway ab. Die Namengebung von Three Way's ist ziemlich simpel. Man kann hier schlicht und einfach nur in drei Richtungen fahren. Die Strecke ist ziemlich eintönig, über hundert Kilometer geht es durch Australische Buschlandschaft. Nur nach dem Barkly Homestead unterbrochen von 200-300 km Weideland. Schon seit über einer Woche liegen die einzelnen Ortschaften zwischen 200-260 km auseinander. Das Weideland ist auch nicht gerade sehr interessant. Teilweise stehen die blöden Rinder mitten auf der Straße. Sie gehen erst beiseite, wenn man direkt auf sie zufährt. Teilweise haben sie schon recht furchterregend große Hörner. Die Roadtrains haben da weniger Respekt. Einige tote Rinder neben der Straße zeugen davon. Eine andere Tierart ist aber noch wesentlich zahlreicher als die Rinder vertreten, Termiten. Es werden heute wohl zehntausende Termitenhügel gewesen sein, an denen wir vorbeifuhren. In Camooweal entschließen wir uns, noch bis Mt. Isa weiter zufahren. Wir haben uns aber doch etwas mit der Zeit verschätzt. Die Dämmerung bricht über uns herein und die Fahrt wird wieder zunehmend gefährlicher. Andauernd überqueren die aktiv gewordenen Känguruhs die Straße, und die Rinder stehen auch noch in der Gegend herum. Die letzten 60 km bis Mt. Isa ist es stockdunkel gewesen. Zweimal begegneten wir noch Känguruhs und Rinder auf der Straße. Als wir Mt. Isa erreichen, liegt die längste Tagesetappe hinter uns, 1030 km. Die Luft ist schwül warm und wir geraten im Zelt ziemlich ins schwitzen.

20.02.94    Mt. Isa - Hughenden, Fahrtstrecke: 560 km, gesamt 9.819 km
In der Nacht hatte es einige Male ziemlich heftig geregnet. Die schwüle, warme Luft ist aber auch am morgen noch da. Bevor wir richtig losfahren, mache ich an einer Tankstelle noch einen Ölwechsel und Olaf stellt seine Ventile nach. Ich muss feststellen, dass mein hinteres Radlager schon ziemlich hinüber ist, ich kann schon die Kugeln sehen. Hinter Mt. Isa beginnt wieder ein hügeliger Landschaftsabschnitt. Eine willkommene Abwechslung nach unendlichen Kilometern geradeaus in den Tagen zuvor. Nachdem die Hügel wieder in Flachland übergehen bietet sich ein ganz neues Landschaftsbild. Die Wiesen rechts und links sind saftig grün. Wir fühlen uns eher wie in unserer Norddeutschen Heimat, es fehlen nur die schwarzbunten Kühe. 50 km vor Julia Creek macht sich das Radlager an meiner DR übel laut bemerkbar. Es ist ziemlich auseinander gebrochen. In Julia Creek muss ich feststellen, dass ich auch noch einen platten Reifen habe. Den Reifen flicken wir mit Reifenpannenspray, am Radlager ist nicht mehr viel zu retten, und das am Sonntag 700 km von der nächsten Motorradwerkstatt entfernt. Langsam fahren wir weiter. Nach dem nächsten Tankstop wird der Krach vom Radlager immer schlimmer. Ich prökel etwas daran herum, einige Kugeln fallen mir entgegen. Aber außer langsam weiter zufahren, bleibt mir nicht viel übrig. Ich habe auch keine Lust, in dieser Gottverlassenen Gegend auf Teile zu warten, wo ich außerdem auch einen neuen Hinterreifen brauche. Das Profil nähert sich langsam dem Nullpunkt. Kurz vor Hughenden, unserem heutigen Tagesziel, fängt es heftig an zu regnen, nach 10 min ist alles wieder vorbei. In Hughenden kommt abends nochmals ein heftiges Gewitter runter.

21.02.94    Hughenden – Townsville , Fahrtstrecke: 400 km, gesamt 10.219 km
Auch in der Nacht war noch einmal ein starkes Gewitter. Wir müssen das Zelt morgens wieder klitschnass einpacken. Auf dem Highway in Richtung Townsville passieren wir das erste Mal einen richtigen Floodway. Die Straße ist über eine Länge von 30 m ca. 20 cm tief überspült. Im Schrittempo fahren wir durch den Floodway. Nach weiteren 40 km treffen wir auf den nächsten Floodway. Diesmal aber mit größeren Ausmaßen. Die Straße ist in einer Tiefe von 70-80 cm über ein Länge von 60-70 m überspült. Drei bis vier Stunden soll es ungefähr dauern bis der Floodway wieder durch fahrbar sein soll. Zu der Tiefe, die noch im Rahmen des evtl. machbaren liegt, gesellt sich eine starke Strömung. Und falls man beim durchfahren von der Straße abkommen würde, könnte man die Motorräder wahrscheinlich eine Woche später wieder ausgraben. Neben der Straße verläuft eine Bahnstrecke, die den Floodway über eine Brücke überquert. Es wäre ohne Probleme möglich an einem Bahnübergang auf die Gleise zu fahren. Nur was tuen, wenn uns genau auf der Brücke ein Zug begegnet. Also gehen wir lieber sicher und warten. Nach zwei Stunden fährt der erste Geländewagen durch den Floodway, dann ein Roadtrain und zwei große Busse. Uns ist aber die Strömung noch zu stark. Nach drei Stunden wagt es der erste PKW. Das ist für uns das Zeichen auch zu fahren. Die Wassertiefe beträgt jetzt 40-50 cm und die Breite des Floodways etwa 40 m. In der Mitte des Floodways kommen mir dann auch noch drei Autos entgegen. Sie schieben eine gute Bugwelle vor sich her. Ich denke „nur den Motor nicht ausgehen lassen“, aber es klappt. Nachdem Olaf und ich durchgefahren sind fahren auch die letzten noch zögerlichen durch den Floodway. Je näher wir an Towsnville heran kommen, desto tropischer wird die Landschaft. Endlich sind wir in Townsville. Mein Radlager macht den ganzen Tag schon einen höllischen Lärm. Ich habe fast das Gefühl auf einer Dampflok zu fahren. Auch von der Geschwindigkeit kommt es fast hin, schneller als maximal 80 km/h traute ich der DR nicht mehr zu. Kurz vor Feierabend erreichen wir zum Glück noch jemand beim Suzuki Händler. Er hat ein Radlager da und will es morgen einbauen. Auf dem Campingplatz will ich noch schnell das Hinterrad ausbauen. Die Mücken stechen ein fast zu Tode, sogar die Endurohose ist für die Blutsauger kein Hindernis. Und durch die schwüle Luft ist man total durchgeschwitzt, was die Mücken noch mehr anlockt.

22.02.94    Townsville
Der Morgen begann mit Regen, die Temperatur lag trotzdem bei über 20°C. Auf Olaf's Motorrad fuhren wir gemeinsam zum Suzuki Händler und brachten das Hinterrad der DR hin. Auf dem Campingplatz war wieder einmal Waschtag angesagt. Am Nachmittag gingen wir in das Omnimax Theater. Unter der spektakulären Kuppel des 180° Kino's sahen wir uns einen Film über das Great Barrier Reef an. Eine sehr lohnendswerte Sache. Auf dem Campingplatz sind wir erstmal zur Abkühlung in den Pool gesprungen. Das Baden im Meer ist zur Zeit leider nicht möglich. Von November bis März ist das Baden im Meer verboten. In dieser Zeit sind an der Küste Quallen, deren Berührung tödliche Folgen haben kann, weil sie Atemlähmung verursacht. Wir wollten heute eigentlich selber kochen, aber der Benzinkocher von Olaf versagte mal wieder total. So sind wir dann Pizza essen gefahren.

23.02.94    Townsville
Heute war wieder einmal einer dieser etwas seltenen Faulenztage. Nach dem Frühstück ein bis zwei Stunden am Pool abgehockt und danach war wieder etwas „Kultur“ angesagt. Wir besuchen das Naturkunde Museum. Dieses kleine, aber feine Museum zeigt einen guten Überblick über die Tierwelt Queenslands. Bei dem Anblick der teilweise riesigen Insekten, Schlangen, Spinnen usw. zweifeln wir etwas daran, ob es wirklich so toll ist draußen im Zelt zu schlafen. Aber was solls, die meisten dieser Tiere haben wir nie zu Gesicht bekommen und werden es auch nicht. Wir fahren anschließend noch einmal beim Suzuki Händler vorbei. Die von uns gewünschten Avon Reifen sind erst in ein paar Tagen zu haben. Ich nehme dann einen von Bridgestone. In der Zeit, wo er ihn aufzieht, besorgen wir noch Reifen für Olaf. Beim Honda Händler greift Olaf auf das günstigste Angebot zurück. Ein Satz Kenda Reifen für alles in allem 190$, echt „Made in Taiwan“. Auf dem Rückweg holen wir mein Hinterrad vom Suzuki Händler. Auf dem Campingplatz bauen wir das Hinterrad der DR wieder ein. Selbst zu zweit geht diese Arbeit ganz schön scheiße. Erst lässt sich das Hinterrad nur schwer drehen, ich baue alles noch einmal wieder aus. Nun soll eigentlich alles ok sein, Denkste! Olaf und ich setzen uns beide auf's Motorrad um den Durchhang der Kette zu prüfen. Dann hat es einmal gezischt und die Luft war aus dem Reifen wieder raus. Leider war es inzwischen schon später, so dass der Suzuki Händler schon zu hatte.

24.02.94    Townsville – Sarina Beach, Fahrtstrecke: 530 km, gesamt 10.749 km
Bevor wir weiter reisen, muss ich nun erst den Reifen noch einmal zum Suzuki Händler bringen. Mit nicht gerade großer Begeisterung bringt der Mechaniker den Reifen wieder in Ordnung. Beim Wiedereinbauen werden Olaf und ich fast verrückt. Andauernd fällt eine der vier Distanzhülsen wieder raus. Den, der das erfunden hat, könnte ich jetzt würgen. Aber irgendwann ist es geschafft und wir fahren wieder. Der Wettergott meint es heute aber auch nicht gut mit uns. Bis auf die letzten zwei Stunden regnet es fast den ganzen Tag. Durch den Regen kommt die schöne Landschaft, durch die wir jetzt in Richtung Süden fahren, gar nicht zur Geltung. In Serina Beach wollten wir auf den Campingplatz. Nur ist dieser wenig ansprechend. Wir versuchen es in Salonika Beach, aber auch dort Fehlanzeige. In Hay Bay, unserem dritten Versuch, stinkt es fürchterlich und die große Kohleverladestation macht es auch nicht gerade besser. Wir fahren zurück zum Highway und nach Sarina. In Sarina gehen wir auf den Caravan Park und wollen dann morgen gleich weiter fahren.

25.02.94    Sarina Beach – Hervey Bay, Fahrtstrecke: 740 km, gesamt 11.489 km
Pünktlich, als wir gerade losfahren wollen, fängt es an zu regnen. Nach ein paar hundert Metern hört es zum Glück wieder auf. Die Landschaft gleicht sich ziemlich der gestrigen. Zuckerrohrfelder und Weidefläche, alles sehr grün und von Hügeln eingerahmt. Der Himmel ist zwar auch heute wieder sehr bewölkt, aber wenn es regnet, dann nur kurz und leicht. In Rockhampton tanken wir genau zur richtigen Zeit.  5 min später gießt es wie aus Eimern. Wir warten bis der Regenschauer vorüber ist. Kurz vor Gin Gin geht mir der Sprit aus. Da es noch 20 km bis zur nächsten Tankstelle sind zapfe ich etwas Sprit von Olaf ab. Nach weiteren 10 km ist wieder Sense. Diesmal kippe ich das Motorrad nur zur rechten Seite rüber damit etwas Sprit von links zum Benzinhahn läuft. 2 km vor der nächsten Tankstelle ist er endgültig empty. Ich muss extra noch einmal etwas Sprit von Olaf abzapfen. Von Gin Gin sind es nur noch 120 km bis Hervey Bay. Von dort aus wollen wir nach Fraser Island übersetzen. Hervey Bay ist wesentlich größer als wir erwartet hatten. Wir buchen für morgen um 11.00 Uhr die Fähre. 12,50$ pro Person und Motorrad kostet die einfache Überfahrt. Für 6$ kaufe ich mir noch eine Karte für Fraser Island.

26.02.94    Hervey Bay – Fraser Island, Fahrtstrecke: 180 km, gesamt 11.669 km
Als wir nach unserem McDonald Frühstück gerade losfahren wollen, bemerkt Olaf das die Kappe von meinem Steuerkettenspanner abgefallen ist. Glücklicherweise liegt die Kappe noch auf dem Motor. In Hervey Bay halten wir noch am Verden Drive und machen ein Foto. Es ist kurz vor halb elf als wir an der Fähreanlegestelle in River Heads eintreffen. Zu unserer Überraschung kommt die Fähre bereits fünf Minuten später. Wir fahren dann mit den anderen Wartenden gleich auf die Fähre. Die Tickets werden nicht kontrolliert. Olaf und ich denken, dass wir jetzt noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt warten müssen. Aber um Punkt 10.30 Uhr legt die Fähre ab. Uns beschleicht das Gefühl, das wir auf der falschen Fähre sind. Und tatsächlich kommt uns dann die 11.00 Uhr Fähre entgegen. Das wir auf der falschen Fähre sind ist aber völlig egal, die Tickets will immer noch niemand sehen. Ein paar Delphine begleiten die Fähre bei ihrer dreiviertelstündigen Überfahrt. Anstatt in Kingsfishers Bay, wie von uns gebucht, kommen wir in Wanggoolba an. Nun sind wir auf Fraser Island, die mit 184.000 ha größte Sandinsel der Welt. Ein großer Teil dieser einmaligen Insel ist mit Regenwald bewachsen. Aber das größte Highlight, neben der wunderbaren Natur, sind für uns die Sandpisten, die durch die Insel führen. Es gibt keine geteerten Strecken, Autos sind nur mit 4WD Antrieb zugelassen. Wir reduzieren den Luftdruck unserer Reifen und fahren zur Central Station. Die Central Station ist uns als besonders schöner Platz zum campen empfohlen worden. Mit Gepäck ist das Fahren auf Sand noch etwas unsicher. Wir müssen uns noch ein Permit für's Übernachten besorgen. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut haben, fahren wir ohne Gepäck nach Kingsfisher Bay. Wir tanken dort, erfahren aber, dass es das Permit hier nicht gibt sondern in Eurong. Wir fahren erstmal zum 75 Mile Beach. Die Fahrt auf den Sandpisten ist teilweise ziemlich schwierig. Besonders wenn die Spurrinnen der Geländewagen besonders tief sind. Nach der Schlammschlacht in der Flinders Ranges, das bisher schwierigste, was wir bisher gefahren sind. Auf dem Strand lässt es sich einfach fahren. Wir wollen zum Maheno Wreck fahren. Mit vorgeschriebenen 80 km/h fahren wir über den Strand. An den Poyungan Rocks blockieren die Felsen den Strand. Die Fahrt am Strand läuft so richtig gut. Ich vergesse meine Vorsicht etwas, aber als ich mit 100 km/h über einen Dünenhügel springe und erst mit dem Vorderrad lande, besinne ich mich wieder, doch nicht ganz so schnell zu fahren. Am Maheno Wreck stelle ich fest, dass ich meine Zündschlüssel bei dem Sprung verloren habe. Ich fuhr mit einem nachgemachten Schlüssel, der etwas locker im Zündschloss saß. Olaf handelt schneller, als ich reagieren kann, und macht mit seinem Schlüssel mein Motorrad aus. Anspringen will sie so aber nicht. Mit Olaf's BMW fahre ich zurück um meinen Schlüssel zu suchen. Durch den Eli Creek sind wir auch schon auf der Hinfahrt zum Maheno Wreek gefahren. Bei der Durchquerung wird man ganz schön geduscht. Ich finde tatsächlich meinen Zündschlüssel wieder. Auf dem Rückweg zum Wreck denke ich, dass der Eli Creek zu den Dünen hin leichter zu durchqueren ist. Mit Olaf's Motorrad will ich es aber vorsichtig angehen lassen, langsam fahre ich in den Creek hinein und sitze fest. Ich steige ab, um so das Motorrad weiter zu bewegen. Die BMW buddelt sich aber nur weiter ein, das Wasser läuft bereits über die Kanister. Ich halte einen vorbeifahrenden  Geländewagen an. Mit vereinten Kräften schieben wir die BMW wieder auf's Trockene. Nach ein paar Minuten springt der Motor auch wieder an. Anfangs läuft er nur auf einem Zylinder, aber nach einigen hundert Metern ist auch der zweite zur Stelle. Am Maheno Wreek schauen wir uns noch etwas um. Die Maheno ist in den fünfziger Jahren hier gestrandet. Das Schiff war auf dem Weg nach Japan zum abwracken. Es lag vor der Küste Fraser Islands vor Anker und riss sich in einer stürmischen Nacht los und lief auf Grund. Es wird Zeit nach Eurong zu fahren. 40 km fahren wir über den Strand. Es ist ein herrliches Gefühl. Links das Meer, die Wellen und rechts die Dünen mit dem dahinter liegenden Regenwald. Wenn beim Motorradfahren vom Gefühl von Freiheit geredet wird, hier trifft es wirklich irgendwie zu. Am Shop in Eurong ist das Permit nicht zu erhalten und das Informations Center hat bereits geschlossen. Am Shop treffen wir die beiden ersten deutschen Motorradfahrer auf unserer Tour. Volker und Ronald, mit einer Tenere‚ und einer Africa Twin unterwegs, haben noch den größten Teil ihrer Reise vor sich. Die Beiden wollen über den Landweg zurück nach Deutschland fahren. Mir Volker und Ronald fahren wir zum Lake McKenzie wo die Beiden ihr Lager haben. Auf einer fast geraden Strecke drifte ich einmal um 180°. Auf der nur einspurigen Piste ist es eine ganz schöne Arbeit wieder zu wenden. Die Geländewagen haben in der Mitte der Fahrbahn einen Hügel aufgetürmt. Ich fahre erst wieder ein Stück in die Gegenrichtung, bis ich eine etwas bessere Stelle zum Wenden finde. Etwas später müssen wir auf Olaf warten. In einer Kurve ist er etwas in den Wald gefahren. Der Lake McKenzie ist wie im  Märchen. Der Sandstrand ist schneeweiß, das Wasser leuchtet in einem tollen Blau. Wenn man näher ans Wasser kommt sieht man das es kristallklar ist. Die Zeltmöglichkeit ist an der Central Station allerdings schöner. Hier am See ist nur Sand und an der Station ist alles Gras bewachsen. Es wird nun aber Zeit, dass wir zurück zur Central Station fahren. An einer Tiefsandstelle habe ich wieder einen Dreher. Mit hin und her Bewegungen erstmal das Motorrad freibekommen, dann in die entgegen gesetzte Richtung, wenden und die Tiefsandstelle mit mehr Glück und Gas nehmen. Die Sonne steht mittlerweile schon ziemlich tief. Wenn man zwischen den hohen Bäumen hindurch fährt, ist es mit der getönten Crossbrille nur schwer zu erkennen ob der Sand tief ist oder nicht. Ohne die Brille bekommt man aber unentwegt Moskitos und Dreck ins Gesicht. Als ich an unserem Zeltplatz den Helm abnehme höre ich erstmal richtig was für einen Lärm die Insekten und Vögel machen. Es ist ein richtiges Urwald-Konzert. Wie immer wird es schnell dunkel. Der Mond erhellt den Tisch, an dem wir kochen. In der Nacht veranstalten die Dingos scheinbar ein Wettrennen. Es hört sich an, wie eine galoppierende Pferde Horde. Die Dingos untermalen ihr Gerenne indem sie den Mond anheulen.

27.02.94         Fraser Island, Fahrtstrecke: 50 km, gesamt 11.719 km
Heute hätten wir die Zeit zum ausschlafen gehabt, aber um halb acht kam die Sonne hoch und an schlafen war nicht mehr zu denken. Volker und Ronald hatten uns erzählt, dass sie zwei andere Motorradfahrer getroffen hätten, die vom Ranger ohne Permits erwischt worden waren. Da die Strafe verhältnismäßig hoch war wollten wir uns nun endlich unsere Permits holen. Wir fuhren abermals nach Eurong. Ein MB-Trac mit Metallschlitten hatte die Pisten geglättet, so dass es relativ einfach zu fahren war. Die beiden Permits kosteten zusammen 55$. Anschließend waren wir am Lake McKenzie und genossen das paradiesische Badevergnügen. Die Abfahrt vom Lake McKenzie war wieder etwas schwieriger. Das Hinterrad versetzt gelegentlich um einen Meter, das Vorderrad geht mal dreißig Zentimeter weg. Aber irgendwie ist es auch eine Riesen Gaudi so über den Sand zu driften. Wir entschließen uns, morgen erst die Fähre am späten Nachmittag zu nehmen.

28.02.94    Fraser Island - Hervey Bay, Fahrtstrecke: 90 km, gesamt 11.759 km
Am heutigen Morgen wollen wir zum Lake McKenzie zu Fuß laufen. 1h 45min ist für eine Strecke angegeben, die durch den Regenwald führt. Wir laufen aber nur bis zum Basin Lake, dann haben wir keine Lust mehr. Immerhin waren wir aber zwei Stunden zu Fuß unterwegs. Am Ende des Walks sitzt an einer kleinen Palme eine riesige Spinne in ihrem Netz. Sie ist, mit Beinen, ca. 15 cm groß. Zum Frühstück gibt es heute Suppe. Wir wollen noch etwas über die Insel fahren und machen uns auf den Weg zum Lake Boomanjin. Die Strecke ist ziemlich tiefsandig. An einer Steigung fahre ich mich total fest. Olaf ist schon weiter voraus. Alleine ziehe ich die DR wieder aus ihrem selbst gebuddelten Loch. Ich fahre weiter und hänge fest. Eine Baumwurzel lässt den Hinterreifen nicht weiter. Mühsam ziehe ich die DR zwei Meter zurück und fahre wieder an, drei Meter später hänge ich schon wieder fest. Diesmal komme ich aber leichter los. Die Piste ist weiter sehr tiefsandig. Immer am Gas bleibend kommt man aber voran. Sobald man anhält, ist es schwierig wieder los zu kommen. Am Lake Birrabeen nehme ich erstmal ein Bad. Ich bin total durchgeschwitzt. Die Getränkefrage ist mit einem Schluck Seewasser schnell geklärt. Die weitere Fahrt zum Lake Boomanjin geht etwas besser. Die Piste ist aber nicht viel besser. Das Hinterrad versetzt wieder um bis zu einem Meter, andauernd rutscht das Vorderrad weg. Mit wilden Drifts geht es über die Sandpiste. Zum Teil fahre ich von ganz rechts nach links, halb in den Anleger, wieder raus und weiter geradeaus. In Dilli Village sind wir endlich wieder am Strand. Manchmal verfluche ich das Fahren im Sand, aber anderseits macht es herrlich viel Spaß. Das Fahren am Strand ist eine Erholung. Wieder genießen wir es, neben der Brandung herzufahren. Von Eurong zur Central Station zurück, kommt uns die Strecke nun sehr leicht vor, im Gegensatz zu unseren vorherigen Sandwühlerlebnissen. In aller Ruhe bauen wir unser Zelt ab und fahren zur Fähre. Mit Gepäck lässt es sich ziemlich beschissen fahren.

01.03.94    Hervey Bay – Byron Bay, Fahrtstrecke: 500 km, gesamt 12.259 km
Wir haben Fraser Island scheinbar zum richtigen Zeitpunkt verlassen, denn in der Nacht hat es wieder zu regnen begonnen. Im Regen müssen wir auch das Zelt abbauen. Rückblickend auf Fraser Island kann man sagen, ganz weit oben in den Top Ten der Aussie Sehenswürdigkeiten. Die ersten 200 km bis zum Tankstop sind so zum kotzen gewesen, dass es sich nicht lohnt, weiter darauf einzugehen. Im Air Conditioned gekühlten Restaurant frieren wir uns einen ab. Wir sind wieder nass bis auf die Haut. Bis Brisbane gießt es weiter. Hinter Brisbane hört es tatsächlich auf zu regnen. Hinter Murwillumbah ist es richtig schön kurvig und hügelig. In Byron Bay, dem östlichsten Punkt Australiens, schlagen wir unser Zelt auf. Byron Bay ist ein echt netter Ort mit vielen Pubs, Surf-Freaks und Alt-Hippies. Der Campingplatz liegt auch sehr gut. Auf der einen Seite der Strand, auf der anderen Seite der Ortskern. Hier wollen wir noch einige lockere Tage verbringen. Zur Zeit regnet es aber immer wieder wie aus Eimern.

02.03.94    Byron Bay
Das Wetter hat sich auch heute nicht gebessert, immer wieder regnet es. Außer essen und trinken machen wir nicht viel. Am Nachmittag gehen wir vor lauter Langweile in den Pub. Diese Idee hatten auch andere, der Pub ist voll wie abends.

04.03.94    Byron Bay – Port Macquarie, Fahrtstrecke: 480 km, gesamt 12.739 km
Nachdem auch der gestrige Tag total verregnet war, und die Nachrichten auch noch nicht von einer Wetter Besserung sprechen, wollen wir etwas weiterfahren. Wir haben Glück und bauen das Zelt im trockenen ab. Aber kurz nachdem wir wieder fahren, regnet es auch wieder. Aber viel nasser kann ich auch nicht mehr werden. Hose, Jacke, Stiefel und Handschuhe lagen im Zelt auf der Erde und  sind deshalb sowieso schon total naß. Der Regen begleitet uns die ersten 200 km. 80 km vor Coffs Harbour hört es auf zu regnen. über den Pacific Highway gelangen wir nach Coffs Habour, wo uns Sonnenschein empfängt. Nachdem wir Mittag gegessen haben, bleibt uns die Sonne treu. Ca. 150 km nach Coffs Harbour, erreichen wir Port Macquarie. Wir checken uns für zwei Nächte auf dem, direkt am Strand liegenden, Campingplatz ein.

07.03.94    Port Macquarie - Sydney, Fahrtstrecke: 450 km, gesamt 13.189 km
In Port Macquarie haben wir noch zwei schöne Sonnentage verbracht. Heute wollen wir nun bis nach Sydney zurückfahren. In der Nacht hatte es geregnet, aber wir können das Zelt trocken abbauen. Der Himmel ist mal wieder bewölkt aber trocken. Auf dem Weg kommen wir noch einmal in einen ergiebigen Regengenguss. Das Wasser steht einige Zentimeter auf der Straße. Vor Sydney fahren wir durch die Ausläufer der Blue Mountains. Eine faszinierende Landschaft, sehr bergig und felsig. Erstmals sehen wir auch etwas von den verheerenden Waldbränden, die hier zwei Monate vorher gewütet hatten. Wir haben nun das Stadtgebiet von Sydney erreicht. Bevor wir über die Habour Bridge in die Innenstadt von Sydney fahren, haben wir noch einen tollen Blick auf die Skyline und die Oper. Im Thelellen Beach Hotel in Bondi Beach quartieren wir uns für die letzten paar Tage ein. Nun sind wir wieder am Ausgangspunkt unserer Reise angekommen. 13.000 km liegen hinter uns. Wir haben jetzt noch ein paar Tage in Sydney, dann fliegen wir wieder zurück nach Deutschland. Wo sind die anfangs unendlichen 8 Wochen geblieben? Wir trafen so viele Leute, die mehrere Monate, ein halbes Jahr oder länger unterwegs waren. Dagegen waren unsere 8 Wochen wirklich ein Kurzurlaub. Aber eines weiß ich genau, es war nicht das letzte Mal Australien. Ich komme wieder, aber für länger.

16.11.05    Aus heutiger Sicht:
Soeben habe ich meinen Reisebericht von 1994 für meine Homepage vorbereitet und meine bisher eindrucksvollste Reise noch einmal erlebt. Ich habe mich einmal darüber gewundert was für große Tagesetappen wir häufig gefahren sind, damals galt für uns halt immer „Der Weg ist das Ziel“ und wie viel Regen wir hatten. Den Regen habe ich in meinen Gedanken doch ziemlich verdrängt und ich glaube das wir ein sehr nasses Jahr erwischt hatten. Meinen Schlußsatz habe ich in diesem Jahr zur Hälfte erfüllt, ich war wieder in Australien, nur leider nur für kürzer, ob ich es noch einmal schaffe für länger nach Australien zu Reisen? Keine Ahnung, man wird sehen...