Reisebericht - Irland 2018
 
Irland 2018 - Von Dublin in den Süden und dann die Westküste hoch in Richtung Norden

05.09.2018 Bremen – Rotterdam (Hoek van Holland) 432 km
Pünktlich holen mich Andree, Nils und Olaf zu Hause zu unserer ersten Etappe in Richtung Irland ab. Erst einmal geht es zur Fähre nach Rotterdam. Wir verlassen Bremen über die B75 in Richtung Oldenburg und hinter Delmenhorst verlassen wir auch gleich wieder die Autobahn. Bei sommerlichen 22 Grad cruisen wir über  Nebenstrecken durch das Oldenburger Münsterland. Hinter Neuhaus überqueren wir die grüne Grenze in die Niederlande und es geht mit gemütlichen 60 km/h weiter. In Delden stoppen wir für eine Pause und bekommen in einem ziemlich gut besuchten Café einen sonnigen Platz, die Schattenplätze sind schon alle belegt. Die Bestellung der Getränke geht noch recht flott aber als die Getränke schon lange leer sind, sind wir unsere Bestellung für das Essen noch nicht losgeworden. Da die Sonne uns langsam grillt in unseren Motorradhosen fahren wir lieber weiter und verzichten auf das Essen. Wir tingeln weiter über Haupt- und Nebenstrecken. Auf den Hauptstrecken ist grundsätzlich 80 km/h erlaubt auf den Nebenstrecken grundsätzlich nur 60 km/h, zudem geht es meist geradeaus. Schon etwas langweilig die Fahrerei. Langsam knurrt der Magen immer stärker, da kommt das Pfannkuchen-Restaurant am Weg genau richtig. Wir bestellen eine Pfannkuchen Pizza und wir bekommen tatsächlich einen Pfannkuchen mit Pizzabelag drauf. Merkwürdig aber es schmeckt. Nach der Pfannenkuchenpause ist es nicht mehr weit bis wir die Landsträßchen verlassen und auf die Autobahn wechseln, nun geht es zügig nach Rotterdam. Nach dem Erreichen des Hafens dauert es noch eine ganze Zeit bis wir unsere Ausfahrt erreichen. Sagenhafte 20 km fahren wir vom Beginn des Hafengebiets bis zum Anleger von P&O Ferries. Am Anleger angekommen geht der Check-In schnell über die Bühne und wir können direkt in die Fähre fahren. Die Mopeds müssen wir selber festzurren und machen uns anschließend auf den Weg zu unserer Kabine. Nach zweimaligen Nachfragen finden wir diese schließlich auch und quetschen uns in unsere fensterlose Höhle. Den Abend lassen wir mit ein, zwei, drei Bier ausklingen und freuen uns auf den Morgen.

06.09.2018 Hull – Enniskerry, 441 km
SnowdoniaDie Nacht ist sehr unruhig, die Vibrationen vom Schiffsdiesel rütteln die ganze Zeit am Bett und dazu gesellt sich das Schnarchen meiner Mitreisenden. Endlich schlafe ich mal ein längeres Stück und bin am Träumen als mich Andrees Stimme weckt „Hey, es ist schon 6:30 Uhr, wir müssen Aufstehen, wir wollen doch frühstücken“. Leider ist Andrees Uhr noch auf unsere Zeit eingestellt und Ortszeit England ist es erst 5:30 Uhr, schade ich hatte gerade so schön geschlafen. Es dauert dann noch eine ganze Zeit bis wir angelegt haben und wir aufgerufen werden zu den Fahrzeugen zu gehen. Nachdem wir endlich von der Fähre gefahren sind staut es sich vor der Passkontrolle und diese nehmen die Briten sehr genau, als wäre der Brexit schon vollzogen. Dann aber sind wir endlich durch und stecken schon kurze Zeit später wieder fest, im morgendlichen Berufsverkehr von Hull. Aber auch der liegt irgendwann hinter uns und wir fahren erst einmal gute 100 km Autobahn bis wir unseren Abstecher in den Peak District Nationalpark unternehmen. Direkt nach der Autobahn empfängt uns eine schmale steile Straße die zwischen alten Natursteinmauern hindurch führt. Was für ein Kontrast zur Autobahn. Das ist ein richtig schöner Einstieg aber jetzt meldet sich doch unser Magen, wir hatten letztendlich gar nicht gefrühstückt auf der Fähre. Am Ladybower Pub stoppen wir und bestellen uns ein Frühstück das wir draußen auf der Terrasse essen. Hinter High Peak wird es richtig beeindruckend, die Straße geht bergauf durch eine grüne Felsschlucht, die Szenerie ist aber so schnell vorbei wie sie gekommen ist. Hinter Wilmslow am Manchester Airport vorbei geht es erstmal wieder für ca. 130 km auf die Autobahn. Der dann folgende Abstecher in den Snowdonia Nationalpark wird zum Highlight des Tages. Erstes tolles Panorama an der A4086 ist der Lake Llynnau Mynbyr mit den umliegenden Bergen. Aber es wird noch besser, die A4086 geht nach einem Abzweig bergauf und erreicht eine Passhöhe. Wir fühlen uns wie in den Alpen auf 2.000 Meter Höhe, dabei sind wir nur ca. 360 Meter hoch. Nach dem sehr lohnenswerten Abstecher durch den Snowdonia Nationalpark erreichen wir dann wieder die Autobahn die uns die letzten Kilometer bis nach Holyhead führt. Nach etwas Warterei am Check-In rollen wir dann auf die Expressfähre von Irish Ferries die uns in gut 2 Stunden nach Dublin bringt. Da wir die ersten auf der Fähre sind, sind wir auch die ersten am Buffet und können schon zu Abend essen während die anderen Fahrgäste erst an Deck kommen. Die Fähre entlässt uns ins inzwischen dunkle Dublin. Auf eine Passkontrolle verzichten die Iren zum Glück und so weißt uns das Navi den Weg durch Dublin nach Enniskerry, wo wir für die Nacht ein Hotel vorgebucht haben. Zum Abschluss des Tages gibt es noch ein Guinness für Olaf, eine Cola light für Andree und je ein Smithwicks Pale Ale für Nils und mich.

07.09.2018 Enniskerry – Clonakilty, 388 km
WicklowEnniskerry liegt direkt am Fuß der Wicklow Mountain und somit beginnt heute, nach einem Abstecher zur nächsten Tankstelle, direkt der Fahrspaß. Die R115 windet sich direkt durch bzw. über die Wicklow Moutains und ist eine Teststrecke für die Fahrwerke. Die Straße ist nicht nur kurvig sondern auch sehr wellig und der Asphalt sehr rau und hubbelig. Die Landschaft ist rau und erinnert mich einmal mehr an Schottland. In Hollywood liegen die Wicklow Moutain hinter uns und wir queren die N81. Wir bleiben die meiste Zeit auf den kleineren Nebenstrecken und gefühlt fahren wir den ganzen Tag zwischen Hecken hindurch. In Lismore fahren wir an einem beeindruckenden Schloss vorbei und es geht weiter in Richtung Südküste. Cork umfahren wir auf der Schnellstraße um dem Feierabendverkehr zu entgehen. Bei einem Stopp hinter Cork entschließen wir uns schon mal nach einer Unterkunft zu schauen und wir buchen ein B&B in Clonakilty. In Kinsale erreichen wir endlich die Küste, der wir auf dem Weg nach Clonakilty nun folgen. Wir machen noch einen Abstecher zum Old Head, der Leuchtturm wird aber durch den davor liegenden Golfplatz versperrt. Ich mache nur ein Foto von der Straße aus und wir fahren die letzten Kilometer zu unserem Bed & Breakfast in Clonakilty. Nach dem Essen in einem chinesischen Restaurant gehen wir noch auf ein Pint in einen Pub bevor wir wieder zu Fuß zu unserem B&B zurück laufen.

08.09.2018 Clonakilty – Durrus, 148 km
Mizen HeadDie Wettervorhersage hatte schon am Vortag nichts Gutes versprochen und der angekündigte Dauerregen ist auch wirklich gekommen. Nach dem Frühstück starten wir trotzdem und es regnet erst einmal ununterbrochen. Als wir in Glendore einen Fotostopp machen regnet es gerade nicht aber die Bucht mit den Segelbooten liegt grau vor uns. Als wir auf die R592 abbiegen um zum Aussichtspunkt Mizen Head zu gelangen regnet es wieder beständiger. In einem kleinen Ort machen wir eine Regenpause in einem kleinen Café und tatsächlich regnet es jetzt auch nicht während wir im Café sitzen. Als wir weiterfahren wollen hat der Regen aber wieder eingesetzt. Den kleinen Hafenort Crookhaven hatte mir ganz anders vorgestellt aber vielleicht liegt es auch am Regen das der Abstecher dorthin umsonst war. Am Mizen Head kommt zum Regen noch starker Wind hinzu und wir machen nicht mal unsere Visiere auf. Die Sicht ist auch schlecht und somit fällt der erste „große“ Aussichtspunkt auf dieser Tour ins Wasser. Wir fahren ohne großartige Fotos weiter und der Regen lässt nicht nach. Es ist gegen drei Uhr nachmittags als wir Durrus erreichen und ich denke mir, dass die Lust noch weiter zu fahren relativ gering ist bei den Anderen. Ich liege damit richtig, Nils Regenkombi hat es aufgegeben gegen die Wassermassen anzukämpfen und so fahren wir zum nächstgelegenen B&B. Den Wirt stören wir gerade bei der Rasur aber er kommt trotzdem an die Tür. Er hat zwei Zimmer frei, nur soll ich die Stiefel zur Zimmerbesichtigung ausziehen, danach sind meine zuvor trockenen Socken durch die nasse Hose auch klitschnass. Egal, wir haben zwei schöne Zimmer bekommen und unsere triefnassen Klamotten können wir im Schuppen aufhängen. Wir warten noch ab bis es weniger regnet, dann gehen wir mit Regenschirmen bewaffnet in einen Pub zum Essen und Trinken. Dieser Tag war nix aber wenigstens im Pub ist es schön.

09.09.2018 Durrus – Cahersiveen, 306 km
Helay PassAm nächsten Morgen scheint die Sonne und die Vorhersage für den Tag ist sehr gut. Wir beginnen den Tag mit einem guten Frühstück und holen dann unsere Klamotten aus dem Schuppen unseres B&B Wirts. Seine Idee mit der Trocknung in seinem ungeheizten Blechschuppen ging nicht wirklich auf, die Klamotten sind fast in dem Zustand wie wir sie reingehängt hatten. Egal, die Sonne scheint den Rest macht der Fahrtwind. Zuerst machen wir eine Runde über die Sheephead Peninsula und beim Überqueren eines Minipasses kommen doch tatsächlich ein paar Regentropfen runter, ohne geht es scheinbar nicht. Nach der Sheephead Peninsula geht es auf den Ring of Beara. Wir fahren an der Ostseite der Halbinsel zuerst runter bis zur Seilbahn, mit der man auf die Dursey Island übersetzen kann. Da Sonntag ist und bestes Wetter ist der Punkt gut frequentiert. Wir folgen anschließend der Runde um die Halbinsel im Uhrzeigersinn und machen noch einen Stopp am weitläufigen Ballydonegan Beach. Bei sommerlichen Temperaturen könnte man hier sicher einen schönen Strandtag verbringen. Wir fahren aber weiter und nehmen die R571 nach Brandyhall zurück an die Ostseite und fahren ein Stück unseren vorigen Weg zurück um den Healy Pass mitnehmen zu können. Fahrerisch ist er eine Pleite, erstens ist er gut und reichlich mit Rollsplit versehen, es ist eine Baustelle über die halbe Länge eingerichtet und letztendlich verhindert der vor uns schleichende Mercedes zügiges Vorankommen. Überholen ist wegen der vorher genannten Punkte nicht sinnvoll. So genießen wir die Landschaft und zählen die Schafe am Straßenrand. An der Passhöhe auf gewaltigen 300 Metern Höhe genießen wir die Aussicht und fühlen uns einmal mehr in den Alpen auf 2.000 Metern. Dann geht es wieder abwärts und landschaftlich bleibt das Niveau hoch, einfach toll, vor allem bei dem Sonnenschein. In Kenmare biegen wir auf den Ring of Kerry ab. Es folgt ein grandioser Fahrspaß. Wir haben Glück das wir einen Großteil der Autoschlange auf dem graden Anfangsstück überholen können, als es kurvig wird tauchen nur noch vereinzelt Autos auf. Das tolle an der Strecke ist, dass man für den Fahrspaß nicht mal zu schnell fahren muss. Die erlaubten 100 km/h sind vollkommen ausreichend durch die unzähligen Kurven, Wellen und entlang der Mauern und Hecken. Einfach genial, zumindest jetzt in der Nebensaison. Bei Kenneigh biegen wir auf den schmaleren Ring of Skelligs ab. Verkehrsärmer und landschaftlich sehr schön. Vor Portmagee weist ein Hinweisschild auf die Kerry Cliffs hin. Diese wurden uns von einer deutschen Reisenden zuvor als unbedingt sehenswert gepriesen. Meine drei Mitreisenden sind nicht so darauf versessen die paar hundert Meter vom Parkplatz dorthin zu laufen und so übernehme ich den „Job“. Um auf die Klippen gehen zu können muss man 4 Euro bezahlen aber der Ausblick lohnt wirklich. Zur Brutsaison sollen hier auch Papageientaucher zu sehen sein aber leider erblicke ich nur Möwen. Die Papageientaucher sind wohl schon abgereist. Der Weg auf die Klippen hoch ist sehr steil und in den Motorradklamotten wird mir ziemlich warm. Nachdem ich wieder bei den Anderen angekommen bin wird es Zeit sich um eine Unterkunft zu kümmern. In Portmagee haben die drei angefragten B&B’s nur je ein Zimmer frei. Wir fahren noch weiter bis Cahersiveen und finden ein ordentliches ***Hotel.

10.09.2018 Cahersiveen – Ballyferriter, 205 km
Caragh RiverDer Morgen beginnt wieder etwas wolkenverhangen und es sieht nach Regen aus. Wir setzen unsere Fahrt auf dem Ring of Kerry fort. Nach einigen Kilometern setzt wieder Regen ein. Hinter Caragh Bridge biegen wir ab und folgen der Straße entlang des Sees Lough Caragh. Leider ist die Sicht durch den Regen nicht so toll, würde die Sonne etwas rauskommen wäre es garantiert eine beeindruckende Szenerie. An der Blackstone Bridge ist es aber auch im Regen beindruckend, die alten Bäume und die moosbewachsenen Steine im Fluss mit der alten Steinbrücke im Hintergrund geben eine urige Atmosphäre ab. Wir fahren weiter und kommen über die kleine Passhöhe Ballaghbeama Gap die bei dem trüben Wetter sehr archaisch wirkt. Es geht bergab und wir biegen auf die R568 ab. Beim Molls Gap mündet diese auf die N71 und damit auf den Ring of Kerry. Am Aussichtspunkt Ladys View kann man den Ausblick auf den Lough Leanne genießen und ein paar Kilometer später lohnt es sich am Torc Wasserfall anzuhalten. Vom Parkplatz sind es nur 200 Meter zu Fuß bis zum Wasserfall. Das können wir sogar in Motorrad Klamotten bewältigen. Durch Killarney rollen wir schnell durch und fahren direkt nach Castlemaine, wo wir auf die Dingle Peninsula abbiegen. Es hat sich inzwischen wieder richtig eingeregnet und die, wahrscheinlich, tolle Aussicht auf die Kerry Halbinsel können wir nicht genießen, weil wir die Halbinsel kaum sehen. Im trubeligen Dingle suchen wir uns ein Café und machen erstmal Pause. Der Blick auf das Regenradar zeigt das es vor morgen früh nicht nennenswert aufhört zu regnen. Wir buchen daher über booking.com ein Hotel im 12km entfernten Ballyferriter. Als wir dorthin starten wollen hat es wieder aufgehört zu regnen und somit beschließen Olaf und ich nicht direkt, sondern an der Küste entlang zu fahren. Dummerweise fängt es kurze Zeit später wieder an zu regnen und somit sind die, eigentlich beeindruckenden, Ausblicke nicht so toll. Im Hotel können wir unsere triefnassen Klamotten im Industrie-Wäschetrockner trocken, somit beginnt der Start morgen schon mal trocken. Im Pub gegenüber gibt es mal wieder ein leckeres Essen und das dazu gehörige Guiness und Smithwicks Red Ale.

11.09.2018 Ballyferriter – Doolin, 207 km
Cliffs of MoherNeuer Tag, neues Wetter. Der Regen hat sich verzogen und somit fahren wir die gestern verregnete Sightseeing Runde, den Slea Head Drive, in die andere Richtung noch einmal. Der Felsen Ceann Sibeal ist die lokale Berühmtheit, da dort eine Szene von „Der letzte Jedi“ gedreht wurde. Dabei sind die Ausblicke auf den nächsten Kilometern noch schöner. Nachdem wir wieder Dingle durchquert haben geht es hoch auf den Conor Pass und dann wieder runter ans Meer. Die Küste ist nun von Sanddünen gesäumt und die Strände lang und weit. Was für ein Kontrast zur Steilküste am Slea Head. Von Tralee nehmen wir die schnelle N69 bis Tarbert. Wir kommen genau richtig und können direkt auf die Fähre fahren, die uns über den Shannon River bringt. Das nächste Highlight sollen die Cliffs of Moher sein. Aber die touristische Aufbereitung mit einem riesigem Parkplatz (8 Euro Gebühr), Besucherzentrum, Souvenirshops und den angelegten Wege ist doch etwas abschreckend und der Ausblick auf die steilen Klippen beeindruckend dann gar nicht so, wie erwartet. Ok, beim nächsten Mal halten wir hier nicht. In Doolin finden wir zwei Zimmer im B&B von Danny, ein verrückter Typ und Fußballfan von Kaiserslautern und Werder. Andree bekommt wegen seiner weißen Haare gleich den Namen Blondie verpasst. Danny hat übrigens die gleiche Haarfarbe. Im Pub bekommen wir am Abend glücklicherweise noch einen Tisch und so endet auch hier der Tag mit Essen und einem Pint Bier.

12.09.2018 Doolin – Newport, 293 km
ConnemaraVon Doolin aus kann man mit der Fähre auf die Aaran Islands fahren, da dies aber eher für Wanderer interessant ist fahren wir weiter in Richtung Galway. Die Fahrt durch Galway hindurch zieht sich dahin, unzählige Ampeln und Kreisverkehre bremsen uns aus. Endlich liegt Galway hinter uns und wir fahren wieder direkt an der Küste entlang. Mit einem Auge beobachte ich immer meinen Gesamtkilometerstand und dann muss ich für ein Foto anhalten, die 100.000 km mit meiner KTM 990 Adventure sind erreicht. Ich habe immerhin 12 Jahre dafür gebraucht. Nachdem wir einen Schwenk von der Küste machen ändert sich die Aussicht direkt. Die Landschaft weitet sich mit Bergen in weiter Ferne und Graslandschaft und Seen in unmittelbarer Nähe. Leider kann man gar nicht anhalten, die Straße ist rechts und links eingezäunt und neben der Fahrbahn ist nicht mal ein kleiner Streifen Platz. Ein Café ist ausgeschildert aber als es auftaucht sind wir schon vorbei, 2 km später kann man endlich mal anhalten und ich gehe einen Trampelpfad hinunter zum Wasser. Nach ein paar Fotos drehen wir um und fahren zum Café zurück. Cappuccino gibt es zwar nicht aber wir haben eine nette Unterhaltung mit einem Schweizer Pärchen und ich kann noch ein paar Fotos machen an dem See auf der anderen Straßenseite. Bei Screebe biegen wir auf die R340 ab und genießen weiter das Wechselspiel von Wasser- und Grasflächen. Über die N59 geht es an Clifden vorbei und wir passieren das Schloss Kylemore Abbey, sparen uns aber einen Besuch. Am Kilary Fjord biegen wir auf die R335 ab, direkt am Abzweig lohnt ein Stopp am Wasserfall. Der einsetzende Regen treibt uns weiter. Kurz vor Westport treffen wir wieder auf die N59, die wir noch bis Newport durchfahren. Als wir Newport erreichen ist es schon wieder an der Zeit nach einer Unterkunft zu schauen. An der Hauptstraße ist ein B&B mit „Luxury Rooms“ ausgeschildert. Ich wähle die angeschlagene Handynummer und auf der anderen Seite meldet sich der Besitzer der Bar und sagt, dass er gleich rauskommt. Die Zimmer die er mir dann zeigt sind die besten auf der bisherigen Reise. Gemütlich und schick in dem alten Haus und das für 40 Euro/Person mit Frühstück. Zwei Häuser weiter ist ein Restaurant, scheinbar findet aber an diesem Abend ein Single Dinner stattfindet, wie wir etwas verwundert feststellen müssen. Somit gehen wir in einen netten Pub und essen dort.

13.09.2018 Newport (Tagestour), 252 km
Achill IslandUnsere geplanten Tour würde uns noch weiter in den Norden führen aber das können wir in der verbleibenden Zeit nicht sinnvoll. Olaf und Nils schlagen daher vor noch eine weitere Nacht im B&B in Newport zu bleiben und nur eine Tagestour zu machen. Damit können alle gut leben und somit stricke ich schnell eine Tour für den Tag zusammen. Die Wettervorhersage ist auch gar nicht so schlecht aber erst einmal regnet es. Nach 20 km dreht Nils um, weil er auf den Regenkombi verzichtet hat ist er schon nass. Beim ersten Fotostopp regnet es immer noch und auch Andree findet das schöne B&B Zimmer zu verlockend und dreht ebenfalls um. Olaf und ich trotzen dem Wetter und werden dafür auch belohnt. Die Sonne kommt raus und auch landschaftlich lohnt sich die Runde über die Achill Island total. Nach dem wir die Halbinsel abgefahren sind, fahren wir die N59 von Mallaranny nach Bangor Erris. Dort haben wir Lust auf einen Cappuccino aber das Café ist geschlossen und so gehen wir in die Bar des Ortes. Es gibt zwar Kaffee aber nur die Instant Variante, mit viel Milch gerade noch trinkbar. Meine Frage nach einem Sandwich wird damit beatwortet, dass ich mir gerne gegenüber im Supermarkt eins frisch zubereiten lassen kann und es mit in die Bar nehmen soll. Sehr nett, das Angebot nehme ich gerne an. Die Landschaft entlang der N59 erinnert mit der Weite an Skandinavien, auch ist der Verkehr sehr gering. Über kleine Nebenstrecken erreichen wir wieder Newport.

14.09.2018 Newport - Dublin, 291 km

Wir hatten uns schon gestern ein Appartement in Dublin gebucht und so wissen wir schon mal wohin wir müssen. Ich habe keine Tour geplant nach Dublin, wir überlassen dem Navi unter Berücksichtigung kurvenreicher Strecke das Routing. Anfangs klappt das ganz gut aber später fahren wir überwiegend auf größeren N-Routen. Verstehe einer die Garmin Software. Eigentlich klappt das mit der kurvenreichen Strecke nur dann gut, wenn der anzufahrende Punkt max. 100 km weit weg ist. Wir erreichen den nördlichen Teil Dublins und müssen noch einige Kilometer durch die Stadt zu unser Unterkunft fahren. Wir sind schon in der richtigen Straße aber weder das Garmin noch das TomTom von Andree finden die genaue Adresse. Ich gebe die Adresse in meinem Handy in Google Maps ein und fünf Minuten später stehen wir vor dem Tor zu der Wohnanlage mit dem gebuchten Appartement. Ich rufe den Vermieter an und sage ihm, dass wir nun da sind. Eine viertel Stunde später erscheint er mit dem Auto. Er öffnet das riesige 3 Meter hohe elektrische Tor und wir können die Motorräder vor dem Haus parken. Das Appartement ist von der noblen Sorte und mit 46 Euro/Person nicht viel teurer als ein B&B, allerding ohne Frühstück. Wir genießen die Sofas und freuen uns über die noble Unterkunft. Später gehen wir zu einem Italiener ein paar hundert Meter weiter, hier gibt es leckere Pizza und winzige Nudelportionen für 15 Euro. Olaf und ich sind mit den Pizzen zufrieden, Nils und Andree mit den Nudeln eher unglücklich. Ein letztes Bier im Pub und noch ein Abschlussbier aus dem Supermarkt geholt, dann gehen wir in unsere schicke Wohnung zurück und lassen den letzten Abend in Irland mit dem Bier aus dem Supermarkt ausklingen.

15.09.2018 Dublin – Hull, 452 km
SnowdoniaUm 6:00 Uhr fahren wir zur Fähre. Um diese Zeit ist auf Dublins Straßen noch nicht viel los und so kommen wir sehr pünktlich im Hafen an. Wir müssen eine ganze Zeit warten bis wir, fast als letztes, auf die Fähre fahren können. Wir frühstücken erst einmal und relaxen die restliche Zeit bis wir Holyhead erreichen. Dann fahren wir auf der Autobahn (die aber in Wirklichkeit nur so aussieht als wäre sie eine Autobahn, dazu später mehr) bis in die Nähe des Snowdonia Nationalparks. Kurz nach dem Verlassen der Autobahn geht es auf kleinen Straßen bergauf und wir treffen auf einige Radrennfahrer. Die A4085 der wir jetzt folgen könnte uns wirklich glücklich machen, tolle Landschaft, kurvenreich aber es soll nicht sein. Erstens es ist Samstag, das heißt dass auch viele Leute mit dem Auto unterwegs sind und zweitens die schon erwähnten Radrennfahrer. Diese gehören zu einem 24h Extrem-Triathlon, dafür haben sie schon mal meinen Respekt. Nun können aber die Autos nur selten überholen, die Straße ist eng, kurvig und es gibt oft Gegenverkehr und wir kommen so auch nicht an den Autos vorbei ohne gefährliche Situationen zu provozieren. Also tuckern wir mit 30 bis 40 km/h vor uns hin und genießen die Landschaft. Das ist einfach der falsche Tag heute aber die Landschaft des Snowdonia Nationalparks entschädigt wenigstens etwas. Es kommt aber noch ein richtig dickes Trostpflaster. Hinter Llanwst (hier habe ich echt keinen Buchstaben vergessen) kommen wir auf die A548 und es folgen 15 traumhaft kurvige Kilometer ohne ein Auto vor uns, einfach genial. An der Waterloo Service Station tanken wir und wenige Kilometer später fahren wir wieder auf die „Autobahn“. Ich wundere mich das mich das Navi aber schon einige Zeit später wieder von der Autobahn lotst, glaube aber noch das alles richtig ist. Je näher wir aber dem Großraum Manchester kommen desto mehr wundere ich mich über das Routing und warum wir andauernd durch Städte fahren. Ich muss dann feststellen, das ich noch „Autobahn vermeiden“ angewählt hatte und dazu auch noch „kürzeste Strecke“. Die vorigen Autobahnen sind nur als Schnellstraßen eingeordnet und daher dachte ich das alles wie geplant läuft. Nach dem ich alles entsprechend eingestellt habe geht es wieder auf die Autobahn und auf dieser bleiben wir nun bis Hull. Gegen halb fünf erreichen wir Hull und checken zur Fähre ein, vorher dürfen wir noch eine Extrarunde durch den Zoll machen aber die Kontrolle ist nur sehr oberflächlich und mit einem Blick in den Tankrucksack erledigt. Nach dem wir unsere Kabine bezogen haben gehen wir ein Bier trinken, essen später im Restaurant und nehmen noch ein Schlummertrunk im „Irish Pub“ an Board.

16.09.2018 Rotterdam – Bremen, 452 km, Gesamtkilometer 3870 km
Die Nacht in der engen Kabine ist ok, wir sind einigermaßen erholt am Morgen. An der Kaffeebar gibt es einen Cappuccino und ein Croissant und dann erreichen wir die Einfahrt in den Hafen von Rotterdam. Es dauert noch eine weitere Stunde bis die Fähre ihren Liegeplatz erreicht. Nach der Passkontrolle durch den holländischen Zoll geht es wieder auf die Autobahn und direkt zurück nach Bremen. Damit ist ein schöner, erlebnisreicher Urlaub zu Ende gegangen.

Mein Fazit zu Irland: Landschaftlich sehr Abwechslungsreich und selten langweilig. Das Wetter ist nur schwer vorhersagbar. Die B&B’s sind auf einem guten Niveau, wir haben zumindest keine schlechte Erfahrung gemacht. Wir haben zwischen 35 und 45 Euro/Person in den B&B’s bezahlt. In der Nebensaison ist es einfach etwas zu finden. Essen und Trinken ist in den Pubs ist lecker und die Atmosphäre dort meist sehr gemütlich, das Preisniveau etwas höher als bei uns aber noch erträglich. Letztendlich wären 2 Tage mehr für die Tour sehr schön gewesen, dann hätten wir noch etwas weiter in den Norden vorstoßen können. Hätten wir noch bis in den Norden Nordirlands reisen wollen hätten wir wohl noch einmal 2 bis 3 Tage mehr benötigt. Auf kulturelles Sightseeing, sprich Städte, Burgen, Schlösser und Museen haben wir verzichtet und uns stattdessen ausschließlich der Landschaft hingegeben. Irland, ich komme gerne noch einmal wieder.